Wir freuen uns auf Ihren Besuch:
 
Sonntag, 20. Juni 2021, 11:00 Uhr Gottesdienst im Antoniusgarten am Eichelberg in Bad Grund
(bei Regenwetter in der St. Antonius-Kirche)
 
Sonntag, 27. Juni 2021, 17:00 Uhr Vorstellungsgottesdienst der Konfirmanden in der St. Antonius-Kirche Bad Grund
 

Der Menschensohn ist gekommen, zu suchen und selig zu machen, was verloren ist. (Wochenspruch - Lukas 19,10) |

Am letzten Sonntag haben wir mit dem Hinweis auf das Vaterunser geschlossen. Jesus hat uns dieses Gebet mit auf den Weg gegeben. Das Vaterunser wird in allen Ländern gesprochen und vereint alle christlichen Konfessionen: Orthodoxe, Katholiken und Protestanten aller Richtungen. Jeder getaufte Christ lernt irgendwann im Leben dieses Gebet, das Jesus uns zu beten gelehrt hat.

Die Anfänge dieses Gebetes finden wir in der Bibel an zwei Stellen, die Sie hier gegenübergestellt finden. Die Jünger bitten Jesus: „Herr, lehre uns beten!“ Und Jesus gibt Ihnen das Vaterunser mit auf den Weg.

Im Evangelium nach Matthäus lesen wir:

Unser Vater im Himmel!
Dein Name werde geheiligt.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe wie im Himmel so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen.
(Matthäus 6,5-15 )

Im Evangelium nach Lukas klingt das so:

Vater! Dein Name werde geheiligt.
Dein Reich komme.
Gib uns unser täglich Brot Tag für Tag
und vergib uns unsre Sünden;
denn auch wir vergeben jedem, der an uns schuldig wird.
Und führe uns nicht in Versuchung.
(Lukas 11, 1-4)

Jesus gibt seine Weisung, wie seine Jünger und damit auch wir beten sollen.

Zuerst gilt es, Gott als unseren Vater anzurufen. Gott anrufen und Gott loben liegen eng beieinander: Was für eine Freude, dass wir Gott unseren Vater nennen dürfen!

Dein Name werde geheiligt! Was für ein Grund zu jubeln, dass unser Gott nicht unnahbar ist!

An vielen Orten in Deutschland singen gerade junge Menschen Lobpreislieder, manchmal stundenlang – z. B. im Gebetshaus in Augsburg. Auch unsere Beziehung zu Gott wird gefestigt, wenn wir am Anfang unserer Gebete Gott loben und ihn preisen.

Als Zweites sollte unser Gebet das Reich Gottes in den Blick nehmen. Dein Reich komme! Die Welt Gottes ohne Leid und Tod möge bitte nicht mehr lange auf sich warten lassen!

Bis das Reich Gottes anbricht, dürfen wir im Rahmen dessen, was Gottes Willen entspricht, um alles bitten, was wir brauchen: Um unser tägliches Brot, um Kleidung, Wohnraum und um verträglichen Impfstoff…

Zum Alltäglichen, was unser Leben auch ausmacht, gehört die Bitte um Vergebung unserer Schuld, die uns dazu befähigt denen zu vergeben, die an uns schuldig geworden sind. Die Bitte um Vergebung unserer Schuld macht uns aufmerksam auf vergangene Schuld und lässt uns womöglich vermeiden, alte Fehler zu wiederholen.

Die Bitte Erlöse uns von dem Bösen bezieht sich sowohl auf das Böse, das wir zuweilen im eigenen Herzen tragen als auch auf das Unheil in der Welt, von dem wir in den Medien täglich erfahren.

Einige Verse weiter im Text nach Matthäus macht Jesus uns noch einmal Mut zu beten:

Bittet, so wird euch gegeben; suchet, so werdet ihr finden; klopfet an, so wird euch aufgetan. Denn wer da bittet, der empfängt; und wer da sucht, der findet; und wer da anklopft, dem wird aufgetan. (Matthäus 7,7)

Liebe Gemeinde, beten wir täglich so, wie Jesus uns zu beten gelehrt hat, indem wir Gott loben und preisen, das Reich Gottes erhoffen, das Alltägliche erbitten, sowie Vergebung empfangen und schenken. Dann kann Gott gar nicht anders, als unser Gebet zu erhören! AMEN

(Pastor Ralph Schwerdtfeger)

Lied:

Befiehl du deine Wege
und was dein Herze kränkt
der allertreusten Pflege
des, der den Himmel lenkt.
Der Wolken Luft und Winden
gibt Wege, Lauf und Bahn
der wird auch Wege finden,
da dein Fuß gehen kann.

Dem Herren musst du trauen,
wenn dir's soll wohlergehn;
auf sein Werk musst du schauen,
wenn dein Werk soll bestehn.
Mit Sorgen und mit Grämen
und mit selbsteigner Pein
lässt Gott sich gar nichts nehmen:
es muss erbeten sein.

Abkündigungen:

Am Sonntag, dem 20. Juni, taufen wir im Hauptgottesdienst unsere Konfirmandin Nikola Röttger. Nikola hat sich als Taufspruch das Wort aus dem 91. Psalm ausgesucht:

Gott hat seinen Engeln befohlen, dass sie dich behüten auf allen deinen Wegen (Ps. 91,11)

Wir taufen aufgrund des Taufbefehls, den Jesus uns gegeben hat und mit Freude über seine Verheißung:

Jesus Christus spricht:  Mir ist gegeben alle Gewalt im Himmel und auf Erden.
Darum gehet hin und machet zu Jüngern alle Völker: Taufet sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes
und lehret sie halten alles, was ich euch befohlen habe. Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende.
(Mt. 28, 18-20)

Wir wünschen Nikola Röttger Gottes reichen Segen auf ihrem Lebensweg! Bei jeder Taufe, an der wir Anteil nehmen, erinnern wir uns daran, dass auch wir getauft sind und uns Kinder Gottes nennen dürfen.

Lied: „Ich bin getauft auf deinen Namen, Gott Vater, Sohn und Heilger Geist.“

Uns alle möge Gottes mit seinem begleiten:

Der HERR segne dich und behüte dich;
Der HERR lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig;
Der HERR hebe sein Angesicht über dich und gebe dir Frieden. (4. Mose 6,24-26)  

Eine frohe sommerliche Woche wünscht Ihnen

Ihre Pastorin Astrid Schwerdtfeger

 

„Tut mir leid, keine Zeit“ – eine Absage, schnell und achtlos dahingesagt, manchmal später bereut. Wer kennt das nicht? Wenn Gott einlädt zum Fest des Lebens, dann sollte man es nicht verpassen: Gott lädt uns ein zu seinem Fest. Gott lädt uns ein an seinen Tisch!

Der heutige Sonntag ermuntert dazu, Gottes Einladung nicht auszuschlagen, sondern sich an seinen Tisch rufen zu lassen. Gemeint ist hier zum einen der Abendmahlstisch, an dem sich die Menschen, die zu Jesus gehören, regelmäßig versammeln. Zum andern ist das große Abendmahl ein Bild für unser Leben in Gottes Ewigkeit. In der Bibel wird das ewige Leben mit den Worten umschrieben, dass wir einst mit Jesus im Himmelreich zu Tische sitzen werden.

Im heutigen Evangelium lesen wir:

Ein Mensch, der mit Jesus zu Tische saß, sagte zu ihm: Selig ist, der das Brot isst im Reich Gottes! Er aber sprach zu ihm:

Es war ein Mensch, der machte ein großes Abendmahl und lud viele dazu ein. Und er sandte seinen Knecht aus zur Stunde des Abendmahls, den Geladenen zu sagen: KOMMT, DENN ES IST ALLES BEREIT!

Und sie fingen an alle nacheinander, sich zu entschuldigen. Der erste sprach zu ihm: Ich habe einen Acker gekauft und muss hinausgehen und ihn besehen; ich bitte dich, entschuldige mich. Und der zweite sprach: Ich habe fünf Gespanne Ochsen gekauft und ich gehe jetzt hin, sie zu besehen; ich bitte dich, entschuldige mich. Und der dritte sprach: Ich habe eine Frau genommen; darum kann ich nicht kommen. Und der Knecht kam zurück und sagte das seinem Herrn.

Da wurde der Hausherr zornig und sprach zu seinem Knecht: Geh schnell hinaus auf die Straßen und Gassen der Stadt und führe die Armen, Verkrüppelten, Blinden und Lahmen herein.

Und der Knecht sprach: Herr, es ist geschehen, was du befohlen hast; es ist aber noch Raum da. Und der Herr sprach zu dem Knecht: Geh hinaus auf die Landstraßen und an die Zäune und nötige sie hereinzukommen, dass mein Haus voll werde. Denn ich sage euch, dass keiner der Männer, die (zuerst) eingeladen waren, mein Abendmahl schmecken wird. (Lukas 14,16-24)

Liebe Leserinnen und Leser,

das sind klare und harte Worte. Nicht immer hat Jesus lieb und nett geredet. Das deutliche Wort, das Jesus da als Schlusssatz des Gleichnisses spricht, ist nicht zu überhören: Ich sage euch, dass keiner der Männer, die eingeladen waren, mein Abendmahl schmecken wird!

Die gute Nachricht: Wir sind definitiv zu einem Leben mit Jesus eingeladen! Er hat uns in seine Gemeinschaft gerufen und die hat eine ewige Zukunft. Deshalb ruft uns Jesus an seinen Abendmahlstisch:

Fresken in Sant Angelo in Formis zum Leben Christi, Szene: Das Abendmahl (Italo-Byzantinischer Meister)

Unser Herr Jesus, in der Nacht, da er verraten ward, nahm er das Brot, dankte und brach's und sprach: Das ist mein Leib für euch; das tut zu meinem Gedächtnis. Desgleichen nahm er auch den Kelch nach dem Mahl und sprach: Dieser Kelch ist der neue BUND in meinem Blut; das tut, sooft ihr daraus trinkt, zu meinem Gedächtnis. Denn sooft ihr von diesem Brot esst und von dem Kelch trinkt, verkündigt ihr den Tod des Herrn, bis er kommt.  (1. Korinther 11, 23-26)    

Gemeint ist hier der ewige Bund mit Jesus, zu dem wir gerufen und berufen sind. Viele Menschen in Mitteleuropa, die Mitglieder der großen Volkskirchen sind, schlagen diese Einladung Gottes Sonntag für Sonntag aus. Andere Völker, auf die wir Europäer noch vor 100 Jahren herabgeschaut haben, haben sich inzwischen von Jesus rufen lassen.

Die über 100 Millionen Christen in den jungen evangelischen Kirchen in China sind tief gläubig und höchst aktiv. In Afrika, Indien, Südkorea und Lateinamerika sind sonntags die Kirchen übervoll mit jungen Menschen. In Deutschland schießen derzeitig Freikirchen wie Pilze aus der Erde. Und immer wieder sind gerade auch die Menschen, die einen schweren Schicksalsschlag erlitten haben, auf besondere Weise offen für Gott. Im Gleichnis sind das die Armen, Verkrüppelten, Blinden und Lahmen…

Die Plätze an Gottes Tisch bleiben nicht leer. Der Knecht im Gleichnis gewinnt immer wieder neue Leute für seinen Herrn. Es kommt darauf an, dass auch wir Gottes Einladung annehmen. Jeder und jede von uns möge sich selber fragen: Wann habe ich das letzte Mal das Heilige Abendmahl mitgefeiert? Sollte ich nicht wieder daran teilnehmen?! Während ich mit den anderen Christen um den Altar stehe, wird deutlich: Gott sucht meine Gemeinschaft! Ich bin zur Gemeinschaft mit Gott und mit den anderen gerufen – hier in diesem Leben und dann in der Ewigkeit!

Das folgende Lied in unserem Gesangbuch bringt das Anliegen des heutigen Evangeliums auf den Punkt:

1) Gott rufet noch. Sollt ich nicht endlich hören?
Wie lass ich mich bezaubern und betören!
Die kurze Freud, die kurze Zeit vergeht,
und meine Seel noch so gefährlich steht.

2) Gott rufet noch. Sollt ich nicht endlich kommen?
Ich hab so lang die treue Stimm vernommen.
Ich wusst es wohl: Ich war nicht, wie ich sollt.
Er winkte mir, ich habe nicht gewollt.

4) Gott rufet noch. Ob ich mein Ohr verstopfet,
er stehet noch an meiner Tür und klopfet.
Er ist bereit, dass er mich noch empfang.
Er wartet noch auf mich; wer weiß, wie lang? (EG 392)

Liebe Gemeinde!

Solange wir das Vaterunser regelmäßig beten, haben wir die Einladungskarte, die Gott uns geschickt hat, noch nicht weggeworfen. Solange wir uns in unseren Gebeten privat mit Gott verbinden, haben wir den Ruf Gottes zu seinem Mahl in Gemeinschaft mit den vielen anderen noch nicht endgültig verworfen:

Vater unser im Himmel,
geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft
und die Herrlichkeit in Ewigkeit.
Amen.

Und der Friede Gottes, welcher höher ist als alle Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus.

 

Einen gesegneten Sonntag und eine frohmachende sommerliche Woche wünscht Ihnen

Ihre Pastorin Astrid Schwerdtfeger

 

Predigt von Superintendentin Ulrike Schimmelpfeng im Gottesdienst in der St. Salvatoris-Kirche in Zellerfeld.

Predigttext Jona 1,1 bis 2,3 (Übersetzung Basisbibel)

Das Wort des Herrn kam zu Jona, dem Sohn des Amittai:
»Auf! Geh nach Ninive, in die große Stadt,
und rede ihr ins Gewissen!
Ihr böses Tun ist mir zu Ohren gekommen.«
Da machte sich Jona auf den Weg,
aber genau in die andere Richtung.
Er wollte vor dem Herrn nach Tarschisch fliehen.
Als er in die Hafenstadt Jafo kam,
lag dort ein Schiff, das nach Tarschisch fuhr.
Er zahlte den Fahrpreis und stieg ein,
um mit den Seeleuten nach Tarschisch zu gelangen.
So glaubte er, dem Herrn aus den Augen zu kommen.
 
Weg, nur weg, dachte sich Jona. Ins fremde Reich der Assyrer schickt Gott mich, nach Ninive, zu diesen Gottlosen?
Nein, ich nicht. Nach Tarschisch, nach Tarschisch, nichts wie weg hier.
 
Tarschisch ist eine Gegend im heutigen Spanien, damals von Israel aus gesehen das andere Ende der bekannten Welt.
Als ob einer hier seine Sachen packen und nach Neuseeland aufbrechen würde.
 
Doch der Herr ließ einen starken Wind losbrechen, der über das Meer fegte.
Der Sturm wurde immer stärker, und das Schiff drohte auseinanderzubrechen.
Die Matrosen fürchteten sich und schrien um Hilfe, jeder betete zu seinem eigenen Gott.
Dann begannen sie, die Ladung über Bord zu werfen, um das Schiff zu entlasten.
Jona aber war nach unten in den Frachtraum gestiegen.
Er hatte sich hingelegt und war eingeschlafen.
 
Waren Sie schon mal auf See, wenn das Meer nicht grade platt wie das Watt ist? Wenn die Wellen höher werden, so Windstärke 4, 5 oder 6? Das ist nicht mehr so richtig lustig.
Und gar erst hier: das Schiff droht auseinanderzubrechen. Da ist doch jeder an Deck, hängt Fische fütternd über der Reeling oder klammert sich an den Mast, verfolgt mit schreckgeweiteten Augen die verzweifelten Maßnahmen der Mannschaft.
Schlafen unten in der Hängematte? Nicht auszudenken.
Der Erzähler der Jonageschichte will uns ganz deutlich machen: Jona hat abgeschaltet.
Er ist nicht bei Bewusstsein für Gott und die Welt. Er steckt den Kopf in den Sand.
 
Da ging der Kapitän zu ihm hinunter und sagte:
»Wie kannst du nur schlafen?
Auf! Bete zu deinem Gott!
Vielleicht ist er der Gott, der uns retten kann.
Dann müssen wir nicht untergehen!«
 
Der Kapitän war offenkundig keiner, der an den Gott Israels glaubte.
Bisher nicht. Jetzt überlegt er, ob es hilfreich wäre, auf diesen Gott zu setzen.
 
Die Matrosen sagten zueinander:
»Auf! Lasst uns Lose werfen! Sie werden uns sagen,
wer schuld daran ist, dass dieses Unglück uns trifft!
«Also ließen sie das Los entscheiden,
und es traf Jona.
Da fragten sie ihn:
»Sag uns doch:
Wer ist schuld an diesem Unglück?
Bist du es?
Was ist dein Beruf?
Woher kommst du?
Wo bist du zu Hause?
Aus welchem Volk stammst du?«
Er antwortete ihnen: »Ich bin ein Hebräer.
Ich verehre den Herrn, den Gott des Himmels.
Er hat das Meer und das Festland geschaffen.«
Da ergriff die Männer große Furcht,
und sie sagten zu ihm: »Was hast du nur getan!«
Denn die Männer hatten von seiner Flucht erfahren.
Er hatte ihnen erzählt, dass er vor dem Herrn floh.
Sie fragten ihn:
»Was sollen wir mit dir tun,
damit sich das Meer beruhigt und uns verschont?
«Denn die See tobte immer wilder.
Da sagte er zu ihnen:
»Nehmt mich und werft mich ins Meer!
Dann wird es sich beruhigen und euch verschonen.
Denn ich weiß, dass es allein meine Schuld ist,
dass ihr in dieses Unwetter geraten seid.«
Die Männer aber versuchten,
mithilfe der Ruder das Festland zu erreichen.
Doch sie schafften es nicht,
denn die See tobte immer wilder gegen sie.
Da schrien sie zum Herrn und beteten:
»Ach, Herr, lass uns nicht untergehen,
wenn wir diesen Mann jetzt ins Meer werfen!
Gib uns nicht die Schuld an seinem Tod!
Denn du bist der Herr!
Wie es dein Wille war, so hast du es getan.«
Dann packten sie Jona und warfen ihn ins Meer.
Sofort beruhigte sich die See und hörte auf zu toben.
Da ergriff die Männer große Furcht vor dem Herrn.
Sie brachten dem Herrn ein Schlachtopfer dar
und legten Gelübde ab.
 
Die Schiffsbesatzung wird künftig kaum mehr zweifeln an diesem Gott Israels.
Es war gar nicht seine Absicht, aber durch Jonas Fehlverhalten hatten diese Leute Gott erkannt.
 
Der Herr aber schickte einen großen Fisch, der Jona verschlang.
Und Jona war drei Tage und drei Nächte lang im Bauch des Fisches.

 

Viele Kinder können erzählen, wie diese Geschichte weitergeht.
Wie der Fisch, den Jona wieder ausspuckt an Land, wie Jona sich dann doch noch nach Ninive aufmacht, predigt und die Leute von Ninive sich eines Besseren besinnen.
Der König vorneweg geht in Sack und Asche.
Wie Jona nicht nachvollziehen kann, dass Gott daraufhin gnädig mit den Niniviten ist, sich sauer zurückzieht.
Wie Gott ihm anhand eines Rhizinusstrauchs zeigt: Du bedauerst, dass der Strauch wieder verdorrt?
Versteh doch: Um wieviel mehr bedaure ich, wenn die Niniviten zugrunde gehen.
 
Die Geschichte von Jona wird im jüdischen Gottesdienst am großen Versöhnungstag gelesen, einem der wichtigsten Feste im Jahr. Weil sie zeigt, wie Gott gnädig ist mit Jona und gnädig ist mit den Niniviten.
 
Ich frage mich, wie sehr wir sind wie Jona. Laufen auch wir vor einem Auftrag davon? Sehen auch wir nicht, wie Gottes Zuwendung allen Menschen gilt?
 
Gott hat jede und jeden von uns an einen Platz mitten in diese Welt gestellt. Gott hat uns ausgestattet mit seiner Liebe. Immer einmal wieder gilt es zu fragen: Wo will Gott mich denn eigentlich genau haben? Und wie will Gott, dass ich bin?
 
Ich stelle diese Frage allerdings auch für uns als Kirchengemeinden: was genau ist Gottes Auftrag für unsere Kirche an genau diesem Ort, an dem wir leben? Wenn nicht grade die Coronapandemie alles lahm legt, machen wir viel in unseren Gemeinden. Aber ist es auch das, was Gott von uns will? Oder will er uns noch in ganz anderen Aufgaben aktiv wissen?
 
Ich glaube, dass genau JETZT die Zeit ist, darüber in unseren Kirchenvorständen und als Gemeindeglieder, die sich engagieren, nachzudenken.
 
Ich glaube, dass es dafür nötig ist, dass wir uns neu umschaun. Jona hat nicht für möglich gehalten, dass die Niniviten tatsächlich auf seine Predigt hören und ihr Leben verändern.
Ich fürchte, manchmal halten auch wir nicht für möglich, dass die Menschen, die nicht oder nicht so oft bei unseren Gottesdiensten oder Veranstaltungen auftauchen, auch so ihren Glauben haben, auch über Gott und die Welt nachdenken.
Ich vermute, wir müssen uns neu auf den Weg machen in unseren Gemeinden, aus unseren Komfortzonen herauszugehen und zu schauen, wem geht es hier eigentlich grade wie?
Was wird gebraucht?
Wo könnte unser Auftrag Kirche zu sein, noch ganz anders gefüllt werden?
Was denken die Kinder in der Kita und ihre Eltern über Gott?
Wie ist das bei euch Jugendlichen?
Wie sehen unsere Politiker uns als Kirche und wo würden sie uns gern mehr sehen?
 
Es geht mir nicht darum, dass wir IRGENDetwas machen.
Aber schon darum, dass wir uns neu fragen:
Wenn wir durch die Geschichten der Bibel hindurch auf unsere Umgebung schauen, was ist dann dran?
Dazu werden wir uns von manchem, was wir bisher tun – in Würde – verabschieden müssen.
Wir sind nicht Gott, wir können nicht alles.
In Zukunft werden unsere Gemeinden sich eher konzentrieren müssen, einen Schwerpunkt setzen auf EIN Thema, was grad dran ist.
 
Das Jonabuch endet mit einer Frage:
Gott fragt: Soll Ninive mir nicht leid tun?
Sollte ich nicht auch für die Niniviten, all die vielen Menschen und Tiere in dieser Stadt da sein?

 

Und der Friede Gottes,
der alles Verstehen übersteigt,
soll eure Herzen und Gedanken behüten.
Er soll sie bewahren
in der Gemeinschaft mit Jesus Christus.

Amen

Superintendentin Ulrike Schimmelpfeng

 

Trinitatis bedeutet so viel wie "Drei in Einheit". Es wird damit das theologische Dogma der Dreieinigkeit (die Personen von Gott Vater, Sohn und Heiligem Geist in einem Wesen) zum Ausdruck gebracht. Im Deutschen spricht man dann von der Trinität, die oftmals in Form eines Dreiecks, in dem ein Auge abgebildet ist, zur Darstellung kommt.
Das Trinitatisfest gibt es seit etwa 1000 Jahren. Für die protestantische Kirche hat Trinitatis eine größere Bedeutung gewonnen als für die römische Kirche. Es ist das Fest des Glaubensbekenntnisses, und so wurde an diesem Tag das Bekenntnis besonders geehrt - durch Gesang und die Verlesung des Nizänischen Glaubensbekenntnisses, das in unserem Gesangbuch steht, aber nur selten bzw. an hohen Feiertagen gebetet wird (siehe unten!) vgl. VELKD, Kirchenjahr Evangelisch.

Gelobet sei der Herr,
mein Gott, mein Licht, mein Leben,
mein Schöpfer, der
mir hat mein Leib und Seel gegeben,
mein Vater, der mich schützt
von Mutterleibe an,
der alle Augenblick
viel Guts an mir getan.

Gelobet sei der Herr,
mein Gott, mein Heil, mein Leben,
des Vaters liebster Sohn,
der sich für mich gegeben,
der mich erlöset hat
mit seinem teuren Blut,
der mir im Glauben schenkt
das allerhöchste Gut.

Gelobet sei der Herr,
mein Gott, mein Trost, mein Leben,
des Vaters werter Geist,
den mir der Sohn gegeben,
der mir mein Herz erquickt,
der mir gibt neue Kraft,
der mir in aller Not Rat,
Trost und Hilfe schafft.

Dem wir das Heilig jetzt
mit Freuden lassen klingen
und mit der Engelschar
das Heilig, Heilig singen,
den herzlich lobt und preist
die ganze Christenheit:
Gelobet sei mein Gott
in alle Ewigkeit.

Dem wir das Heilig jetzt
mit Freuden lassen klingen
und mit der Engelschar
das Heilig, Heilig singen,
den herzlich lobt und preist
die ganze Christenheit:
Gelobet sei mein Gott in alle Ewigkeit!
(EG 139)
 

Die ersten drei Strophen entfalten das Lob des dreieinigen Gottes – des Schöpfers, des Erlösers, des Kraft spendenden Geistes. Die Zusammenfassung in den letzten beiden Strophen mündet in das „Heilig“, das die Kirche in der Mahlfeierliturgie vereint mit dem ganzen Kosmos singt (Andreas Marti).

 

Liebe Gemeinde!

Die theologischen Gedanken zur Dreieinigkeit sind schwierig und sagen doch viel über das Wesen Gottes aus. Gott ist umfassender, als ein Mensch begreifen kann. Aber er lässt sich auf eine Geschichte mit den Menschen ein und offenbart ihnen mit der Zeit immer mehr von sich: Als Vater erwählt sich Gott ein Volk, als Sohn kommt er allen Menschen zum Heil. Schließlich bezieht Gott in jedem einzelnen Wohnung: als Heiliger Geist, Tröster und als Liebeskraft. Gott ist reine Beziehung. Niemand ist von seiner Gegenwart ausgeschlossen. Als „gesellige Gottheit“ hat Kurt Marti ihn beschrieben: Gott Vater, Sohn und den Heiligen Geist.

Was würde fehlen ohne eine der drei Personen? Die Stärke des Schöpfers? Die Menschlichkeit Jesu – auch im Leiden? Die Gegenwart Gottes im Geist? Gott ist in sich Gemeinschaft. Ich versuche, mir das vorzustellen: Eine Gottheit, die durch und durch Liebe ist, die nicht für sich bleiben kann. Und die meine Gesellschaft sucht! Die mich liebt und mich neben sich auf die Bank zieht und sagt: Komm, sag ehrlich, wie geht es Dir?

„Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes (des Vaters) und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen“ (2. Korinther 13,13)

Dieser Gruß am Anfang des Gottesdienstes oder am Anfang der Predigt nimmt das Thema des Sonntags Trinitatis auf: Gott ist einer. Und ist zugleich drei: Vater, Sohn und Heiliger Geist – ein Gott in drei Personen. Denken lässt sich das nicht wirklich. Dieses „Undenkbare“ verweist auf die Unbegreiflichkeit Gottes und lädt uns zur Anbetung ein:

Heilig, heilig, heilig ist der HERR Zebaoth, alle Lande sind seiner Ehre voll! (Jes. 6,3)                                                                                                                                    vgl. VELKD, Kirchenjahr Evangelisch

Die Dreifaltigkeitsikone von Rubljow aus dem Jahr 1411 stammt aus der russisch-orthodoxen Tradition und ist in Deutschland weit verbreitet. In der Ostkirche wird die Heilige Dreifaltigkeit als das göttliche Geheimnis hoch verehrt. Vordergründig stellt die Ikone drei Engel dar, denn Gott selber sollte besser nicht gemalt werden. Deshalb werden nun die drei Engelboten gemalt, die im Alten Testament dem Abraham die Geburt seines Sohnes ankündigen. Gemeint aber ist die Dreifaltigkeit Gottes.

Jede der drei Personen hält einen Stab, das Sinnbild der Autorität; alle drei haben demnach die gleiche göttliche Autorität. Die drei Gestalten sind sich sehr ähnlich, doch nicht gleich. Es sind keine Rang- oder Altersunterschiede erkennbar. Die Gesichter der drei Personen ähneln einander in hohem Maße, so dass die Zuordnung zu den drei göttlichen Personen umstritten ist.

Vermutlich symbolisiert die Person in der Mitte Jesus Christus. Es ist eine kräftige Gestalt, menschgeworden und irgendwie griffig, konkret. Die Farben entsprechen der traditionellen Kleidung Jesu in der Malerei: Das rote Untergewand und das blaue Obergewand. Über ihm ist ein Baum dargestellt. Er erinnert an den Satz: „Wer überwindet, dem werde ich zu essen geben von dem Baum des Lebens, welcher in dem Paradies Gottes ist.“ (Offenbarung 2,7)

Das Haupt des Engels in der Mitte ist dem Engel links zugeneigt und veranschaulicht, wie der Sohn dem Vater Gehorsam ist. Demnach symbolisiert der Engel auf der linken Seite Gott, den Vater. Sein transparentes güldenes Gewand verweist auf die Unsichtbarkeit Gottes. Der linke Engel ist schemenhafter als der mittlere und lädt weniger dazu ein, dass wir ihn anfassen. Gott Vater ist unfassbar! Über ihm ist ein Gebäude gemalt. Es erinnert an den Satz Jesu: „Im Hause meines Vaters gibt es viele Wohnungen.“ (Joh. 14,2)

Gott Heiliger Geist ist die dritte Person am Tisch. Auch sein Gesicht neigt sich dem Vater zu. Über ihm befindet sich nichts Greifbares, lediglich Goldhauch, denn „der Geist weht, wo er will.“ (Joh. 3.8) Er ist die Kraft Gottes. Mit seiner Hand deutet dieser Engel auf eine rechteckige Öffnung im Tisch, die die Welt symbolisiert. Gott Sohn und Gott Heiliger Geist werden auf die Erde gesandt, um die Menschen zu erlösen.

Auf dem Tisch in der Mitte steht der Kelch, der an das Heilige Abendmahl erinnert. Auch die zwei Figuren links und rechts bilden mit ihren Silhouetten zusammen einen Kelch, der die mittlere Figur, Christus, umfasst – ein Gott in drei Personen!

Nun beanstandet C.G. Jung, dass es im Christentum lediglich um drei göttliche Personen geht. Quaternität, vier Personen im Bereich des Göttlichen würde er für angemessener halten.

Auf der Ikone sehen wir die drei Personen der Gottheit an drei Seiten des viereckigen Tisches. Irgendwie passt das nicht wirklich. Der Tisch ist nicht vollständig besetzt. Die vierte Seite ist frei und das ist wesentlich:

Die vierte Seite des Tisches ist für uns reserviert! Jesus hat das ewige Leben so beschrieben, dass wir zu Tische sitzen werden im Reich Gottes (Lukas 13,29). Ja, die Gemeinschaft Gottes des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes ist keine geschlossene Gesellschaft, sondern offen für uns. Diese „offene Gesellschaft“ wartet auf uns. Das Ziel unseres Lebens ist das Himmelreich Gottes, in dem wir voll und ganz hineineingenommen werden in die Liebe des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes! AMEN

 

Die Dreifaltigkeitsikone von Andrej Rubljow aus dem Jahr 1411 stammt aus der russisch-orthodoxen Tradition und ist in Deutschland weit verbreitet. In der Ostkirche wird die Heilige Dreifaltigkeit als das göttliche Geheimnis hoch verehrt. Vordergründig stellt die Ikone drei Engel dar, denn Gott selber sollte besser nicht gemalt werden. Deshalb werden nun die drei Engelboten gemalt, die im Alten Testament dem Abraham die Geburt seines Sohnes ankündigen. Gemeint aber ist die Dreifaltigkeit Gottes.

Jede der drei Personen hält einen Stab, das Sinnbild der Autorität; alle drei haben demnach die gleiche göttliche Autorität. Die drei Gestalten sind sich sehr ähnlich, doch nicht gleich. Es sind keine Rang- oder Altersunterschiede erkennbar. Die Gesichter der drei Personen ähneln einander in hohem Maße, so dass die Zuordnung zu den drei göttlichen Personen umstritten ist.

Vermutlich symbolisiert die Person in der Mitte Jesus Christus. Es ist eine kräftige Gestalt, menschgeworden und irgendwie griffig, konkret. Die Farben entsprechen der traditionellen Kleidung Jesu in der Malerei: Das rote Untergewand und das blaue Obergewand. Über ihm ist ein Baum dargestellt. Er erinnert an den Satz: „Wer überwindet, dem werde ich zu essen geben von dem Baum des Lebens, welcher in dem Paradies Gottes ist.“ (Offenbarung 2,7)

Das Haupt des Engels in der Mitte ist dem Engel links zugeneigt und veranschaulicht, wie der Sohn dem Vater Gehorsam ist. Demnach symbolisiert der Engel auf der linken Seite Gott, den Vater. Sein transparentes güldenes Gewand verweist auf die Unsichtbarkeit Gottes. Der linke Engel ist schemenhafter als der mittlere und lädt weniger dazu ein, dass wir ihn anfassen. Gott Vater ist unfassbar! Über ihm ist ein Gebäude gemalt. Es erinnert an den Satz Jesu: „Im Hause meines Vaters gibt es viele Wohnungen.“ (Joh. 14,2)

Gott Heiliger Geist ist die dritte Person am Tisch. Auch sein Gesicht neigt sich dem Vater zu. Über ihm befindet sich nichts Greifbares, lediglich Goldhauch, denn „der Geist weht, wo er will.“ (Joh. 3.8). Er ist die Kraft Gottes. Mit seiner Hand deutet dieser Engel auf eine rechteckige Öffnung im Tisch, die die Welt symbolisiert. Gott Sohn und Gott Heiliger Geist werden auf die Erde gesandt, um die Menschen zu erlösen.

Auf dem Tisch in der Mitte steht der Kelch, der an das Heilige Abendmahl erinnert. Auch die zwei Figuren links und rechts bilden mit ihren Silhouetten zusammen einen Kelch, der die mittlere Figur, Christus, umfasst – ein Gott in drei Personen! Nun beanstandet C.G. Jung, dass es im Christentum lediglich um drei göttliche Personen geht. Quaternität, vier Personen im Bereich des Göttlichen würde er für angemessener halten.

Auf der Ikone sehen wir die drei Personen der Gottheit an drei Seiten des viereckigen Tisches. Irgendwie passt das nicht wirklich. Der Tisch ist nicht vollständig besetzt. Die vierte Seite ist
frei und das ist wesentlich:

Die vierte Seite des Tisches ist für uns reserviert! Jesus hat das ewige Leben so beschrieben, dass wir zu Tische sitzen werden im Reich Gottes (Lukas 13,29). Ja, die Gemeinschaft Gottes des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes ist keine geschlossene Gesellschaft, sondern offen für uns. Diese „offene Gesellschaft“ wartet auf uns. Das Ziel unseres Lebens ist
das Himmelreich Gottes, in dem wir voll und ganz hineineingenommen werden in die Liebe des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes! AMEN

Das Nizänische Glaubensbekenntnis:

Wir glauben an den einen Gott,
den Vater,
den Allmächtigen,
der alles geschaffen hat,
Himmel und Erde,
die sichtbare und die unsichtbare Welt.

Und an den einen Herrn Jesus Christus,
Gottes eingeborenen Sohn,
aus dem Vater geboren vor aller Zeit:
Gott von Gott,
Licht vom Licht,
wahrer Gott vom wahren Gott,
gezeugt, nicht geschaffen,
eines Wesens mit dem Vater;
durch ihn ist alles geschaffen.
Für uns Menschen und zu unserm Heil ist er vom Himmel gekommen,
hat Fleisch angenommen durch den Heiligen Geist
von der Jungfrau Maria und ist Mensch geworden.
Er wurde für uns gekreuzigt unter Pontius Pilatus,
hat gelitten und ist begraben worden,
ist am dritten Tage auferstanden nach der Schrift
und aufgefahren in den Himmel.
Er sitzt zur Rechten des Vaters
und wird wiederkommen in Herrlichkeit,
zu richten die Lebenden und die Toten;
seiner Herrschaft wird kein Ende sein.

Wir glauben an den Heiligen Geist,
der Herr ist und lebendig macht,
der aus dem Vater und dem Sohn hervorgeht,
der mit dem Vater und dem Sohn angebetet und verherrlicht wird,
der gesprochen hat durch die Propheten,
und die eine, heilige, christliche und apostolische Kirche.
Wir bekennen die eine Taufe zur Vergebung der Sünden.
Wir erwarten die Auferstehung der Toten
und das Leben der kommenden Welt. Amen.

Einen gesegneten Sonntag geborgen in Gottes Liebe wünscht Ihnen

Ihre Pastorin Astrid Schwerdtfeger  

"Es soll nicht durch Heer oder Kraft, sondern durch meinen Geist geschehen, spricht der HERR Zebaoth." (Wochenspruch - Sach. 4,6)

Pfingsten ist das Fest des Heiligen Geistes. Kräftig wie Feuer oder Wind wird er dargestellt. Erfüllt vom heiligen Geist fingen die Jünger an zu predigen „in andern Sprachen, wie der Geist ihnen zu reden eingab“.  Pfingsten – das ist der Geburtstag der Kirche. (VELKD)

Gebet:

Komm, Heiliger Geist, heilige uns!
Erfülle unsere Herzen
mit brennender Sehnsucht nach der Wahrheit, dem Weg
und dem vollen Leben.
 
Entzünde in uns auch dein Feuer,
dass wir selber davon zum Licht werden,
das leuchtet und wärmt und tröstet.
Lass unsere schwerfälligen Zungen
Worte finden, die von deiner
Liebe und Schönheit sprechen.
 
Schaffe uns neu, dass wir Menschen der Liebe werden,
deine Zeugen, sichtbare Worte Gottes.
Dann werden wir auch das Antlitz der Erde erneuern,
und alles wird neu geschaffen.
 
Komm, Heiliger Geist, erleuchte uns,
stärke uns, bleibe bei uns. Amen.                                       (Aus der Ostkirche)

                                  

Jesus Christus spricht:

Aber der Tröster, der Heilige Geist, den mein Vater senden wird in meinem Namen, der wird euch alles lehren und euch an alles erinnern, was ich euch gesagt habe. (Johannes 14, 26)

Liebe Gemeinde!

In einer Umfrage wurde deutlich, dass sich die Deutschen mit der Bedeutung ihrer Feiertage nicht besonders gut auskennen. Selbst der Sinn des Weihnachtsfestes ist vielen Menschen nicht klar – bis hin zu der Äußerung „Wurde an Weihnachten nicht der Nikolaus gekreuzigt?“ An Pfingsten geht es um den Heiligen Geist. Eine weitere Meinungsumfrage, was es nun mit dem Heiligen Geist auf sich habe, würde gewiss ebenfalls zu unterhaltsamen Antworten führen.

Im christlichen Glaubensbekenntnis wird uns der Heilige Geist als die Kraft Gottes vorgestellt, die von Gott Vater und von Jesus ausgeht und uns Menschen erleuchten will. Jetzt in der Woche vor Pfingsten, befinden wir uns vom Kirchenjahr her noch in der „geistlosen Zeit“: Jesus hat an seiner Himmelfahrt die Erde verlassen, aber der Heilige Geist ist noch nicht ausgegossen worden. Wir leben in einer Zwischenzeit. Der evangelische Theologe Friedrich Gogarten hat den Begriff „Zwischen den Zeiten“ geprägt - so bezeichnete er die gesellschaftlichen Umbrüche nach dem 1. Weltkrieg.

Auch wir leben „zwischen den Zeiten“: Das gesellschaftliche Leben in Deutschland hat sich verändert. Alte Ordnungen mit ihren festen Regeln liegen hinter uns, was kommen wird, ist noch nicht erkennbar. Unsere Kirche ist anders geworden. Vieles ist in Auflösung begriffen, Vertrautes muss verabschiedet werden, zugleich gibt es verheißungsvolle Aufbrüche: Neues nimmt Gestalt an!

Auch die gewohnte politische Weltordnung ist am Zusammenbrechen. Die Völker der Erde streiten um eine Neuordnung. Die Arbeitswelt wird sich wandeln. Digitalisierung und Künstliche Intelligenz sind in aller Munde. Wird sich das als gut für die Menschen erweisen?

Ja, wir leben „zwischen den Zeiten“ – die einen skeptisch, die anderen hoffnungsfroh. In dieser heiklen Zeit gilt es, auf den Heiligen Geist zu setzen. Vom Geist Gottes ist gesagt:

„Du machst neu die Gestalt der Erde“ (Psalm 104). Uns Menschen schenkt der Heilige Geist Kraft, Liebe und Besonnenheit (2. Tim 1). Der Heilige Geist ist der Beistand, den Jesus seinen Jüngern versprochen hat. Als Geist der Wahrheit wird er neues Leben und neue Lebensmöglichkeiten schenken (Joh. 14).

„Zwischen den Zeiten“ bleibt uns nichts anderes übrig, als um den Heiligen Geist zu beten – z. B. mit der Pfingstsequenz aus dem 13. Jahrhundert:

 

Gebet:

Komm herab, o Heil'ger Geist,
der die finstre Nacht zerreißt,
strahle Licht in diese Welt.

Komm, der alle Armen liebt,
komm, der gute Gaben gibt,
komm, der jedes Herz erhellt.

In der Unrast schenkst du Ruh,
hauchst in Hitze Kühlung zu,
spendest Trost in Leid und Tod.

Ohne dein lebendig Wehn
kann im Menschen nichts bestehn,
kann nichts heil sein noch gesund.

Wärme du, was kalt und hart,
löse, was in sich erstarrt,
lenke, was den Weg verfehlt.

Gib dem Volk, das dir vertraut,
das auf deine Hilfe baut,
deine Gaben zum Geleit.

Lass es in der Zeit bestehn,
deines Heils Vollendung sehn
und der Freuden Ewigkeit.

AMEN

 

Eine gesegnete Woche auf Pfingsten zu und ein frohes Pfingstfest wünsche Ihnen

Ihre Pastorin Astrid Schwerdtfeger

 

 

Herzliche Grüße zum Muttertag!

Liebe Mütter,
seien Sie Ihren Kindern dankbar, denn durch sie haben Sie reiche Erfahrungen gemacht. Sie durften Leben weiterschenken!
 
Liebe Kinder,
seid Eurer Mutter dankbar, ohne sie wäret Ihr nicht am Leben!
 

Meine Ausführungen zum Muttertag will ich mit einem recht konservativen Gedicht beginnen. Lassen Sie sich davon nicht schocken! Es kommen danach noch ganz andere provozierende Gedanken:

Wenn du noch eine Mutter hast,
so danke Gott und sei zufrieden;
Nicht allen auf dem Erdenrund
Ist dieses hohe Glück beschieden.
 
Wenn du noch eine Mutter hast,
so sollst du sie mit Liebe pflegen,
dass sie dereinst ihr müdes Haupt
In Frieden kann zur Ruhe legen.

Denn was du bist, bist du durch sie;
sie ist dein Sein, sie ist dein Werden,
Sie ist dein allergrößtes Gut,
Und ist dein größter Schatz auf Erden.

Sie hat vom ersten Tage an,
Für dich gelebt mit bangen Sorgen;
Sie brachte abends dich zur Ruh'
und weckte küssend dich am Morgen.

Und warst du krank, sie pflegte dein,
Den sie mit tiefem Schmerz geboren;
Und gaben alle dich schon auf –
Die Mutter gab dich nicht verloren.


Sie lehrte dich den frommen Spruch,
Sie lehrte dich zuerst das Reden;
Sie faltete die Hände dein,
Und lehrte dich zum Vater beten.

Sie lenkte deinen Kindersinn,
Sie wachte über deine Jugend;
Der Mutter danke es allein,
wenn du noch gehst den Pfad der Tugend.

Und hast du keine Mutter mehr,
Und kannst du sie nicht mehr beglücken,
so kannst du doch ihr frühes Grab
mit frischen Blumenkränzen schmücken.

Ein Muttergrab, ein heilig Grab,
Für dich die ewig heil'ge Stelle;
O, wende dich an diesen Ort,
Wenn dich umtost des Lebens Welle!

Friedrich Wilhelm Kaulisch (1827 - 1881), deutscher Schriftsteller, Lyriker, Erzähler und Romanautor

Liebe Gemeinde!

Zwei völlig verschiedene Gedichte geschrieben aus unterschiedlichen Überzeugungen schicke ich Ihnen hier zum Muttertag!

Das Gedicht von Friedrich Wilhelm Kaulisch stammt aus dem 19. Jahrhundert und entspricht der konservativen Tradition des Muttertags zu Ehren der Mutter und der Mutterschaft.

Die Gedanken klingen altbacken. Manch einer wird sich auf moralische Weise zur Dankbarkeit gegenüber seiner Mutter genötigt fühlen. Viele moderne Frauen lehnen dieses Mutter- und Frauenbild für sich selber ab.

Dennoch transportiert das Gedicht Richtiges. Da ist die banale Tatsache, dass meine Eltern bzw. meine Mutter die beste Mutter für mich gewesen ist, die ich haben konnte, da eine andere Frau nicht mich hervorgebracht hätte. Die andere Tatsache lautet: Es ist gut, das festzuhalten, wofür man dankbar sein kann. In den allermeisten Fällen hat die Mutter Dankbarkeit verdient. Unsere Dankbarkeit macht das eigene Leben hell und hilft zu vergeben, was uns unsere Mutter vielleicht schuldig geblieben ist.

Die Ansprüche der Eltern an die Kinder bzw. auch der Kinder an die Eltern sind sehr unterschiedlich. Über Jesus ist in diesem Zusammenhang eine erstaunliche Begebenheit überliefert:

Als Jesus noch zu dem Volk redete, siehe, da standen seine Mutter und seine Brüder draußen, die wollten mit ihm reden. Da sprach einer zu ihm: Siehe, deine Mutter und deine Brüder stehen draußen und wollen mit dir reden. Er antwortete aber und sprach zu dem, der es ihm ansagte: Wer ist meine Mutter und wer sind meine Brüder? Und er streckte die Hand aus über seine Jünger und sprach: Siehe da, das ist meine Mutter und das sind meine Brüder! Denn wer den Willen tut meines Vaters im Himmel, der ist mir Bruder und Schwester und Mutter. (Mt 12,46 – 50)

Als Hintergrund dieser Geschichte wird angenommen, dass Maria samt Verwandtschaft das öffentliche Auftreten Jesu für anstößig hielt. Sie wollte ihn zurück nach Hause bringen. Er sollte mit seinen Lieben wieder ein anständiges bürgerliches Leben führen.

Jesus löst sich von seiner Mutter und von seiner Familie, um den eigenen Weg zu gehen und seiner persönlichen Berufung zu folgen. Auch in der folgenden Begegnung wird das deutlich:

Da erhob eine Frau aus der Menge ihre Stimme und rief ihm zu: Selig der Schoß, der dich getragen, und die Brust, die dich gestillt hat! Jesus aber erwiderte: Selig sind vielmehr, die das Wort Gottes hören und es befolgen! (Lukas 11,27-28)

Wie die persönliche Beziehung zwischen Jesus und seiner Mutter ausgesehen hat, wissen wir nicht. Bekannt ist die Tatsache, dass sich Jesus durchaus um das Schicksal der Mutter nach seinem Tod gekümmert hat, indem er Maria seinem Lieblingsjünger Johannes anvertraut hat, sie also versorgt zurückgelassen hat. Die oben zitierten Bibelstellen lassen allerdings keine Zweifel darüber aufkommen, dass es bei aller gebotenen Dankbarkeit und Verpflichtung Grenzen der Bindung an die eigene Mutter geben muss. Genauso haben die Ansprüche, die Eltern an ihre Kinder stellen dürfen, deutliche Grenzen.

Das drückt Khalil Gibran auf beeindruckende Weise in seinem Gedicht aus:

Eure Kinder sind nicht eure Kinder
Sie sind die Söhne und die Töchter der Sehnsucht
des Lebens nach sich selber.
Sie kommen durch euch, aber nicht von euch,
Und obwohl sie mit euch sind, gehören sie euch doch nicht.
 
Ihr dürft ihnen eure Liebe geben, aber nicht eure Gedanken,
Denn sie haben ihre eigenen Gedanken.
Ihr dürft ihren Körpern ein Haus geben, aber nicht ihren Seelen,
Denn ihre Seelen wohnen im Haus von morgen, das ihr nicht besuchen könnt,
nicht einmal in euren Träumen.
 
Ihr dürft euch bemühen, wie sie zu sein,
aber versucht nicht, sie euch ähnlich zu machen.
Denn das Leben läuft nicht rückwärts
noch verweilt es im Gestern.
 
Ihr seid die Bogen, von denen eure Kinder
als lebende Pfeile ausgeschickt werden.
Der Schütze sieht das Ziel auf dem Pfad der Unendlichkeit,
und er spannt euch mit seiner Macht,
damit seine Pfeile schnell und weit fliegen.
Laßt eure Bogen von er Hand des Schützen auf Freude gerichtet sein;
Denn so wie er den Pfeil liebt, der fliegt, so liebt er auch den Bogen, der fest ist.

Khalil Gibran (06.01.1883, † 10.04.1931)

Liebe Gemeinde!

Es sieht so aus, dass ein Balanceakt geboten ist: Auf der einen Seite erinnert uns der Muttertag daran, unseren Müttern dankbar zu sein. Gut, wenn wir eine angemessene Form finden, unseren Dank zum Ausdruck zu bringen. Auf der anderen Seite müssen wir wie Jesus unsere Mütter ein Stück weit hinter uns lassen, um den eigenen Weg unter die Füße zu nehmen.

In unserer Zeit gibt es ja die unterschiedlichsten Konstellationen: Zuweilen müssen auch erwachsene Kinder ihre Mütter von kindlichen Ansprüchen verschonen und akzeptieren, dass die Mütter in der zweiten Lebenshälfte ihr Leben auf überraschende Weise neu gestalten.

Gegenseitige Dankbarkeit und Respekt sind heilsam. Genauso tut es gut, wenn sich Eltern und Kinder gegenseitig helfen und einander zugleich frei lassen. Das ist im Sinne des Liebesgebotes: Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst! (3. Mose 19,8)

 

Einen frohen und gesegneten Muttertag wünscht Ihnen

Ihre Pastorin Astrid Schwerdtfeger

 

 

 

 

 

 

 

Wochenspruch:

Christus spricht: Wenn ich erhöht werde von der Erde, will ich alle zu mir ziehen. (Joh. 12, 32)

Was ist der Himmel? Die unendlich blauen Weiten über uns oder die scheinbar zeitlosen Sekunden, in denen wir glücklich sind? Wenn wir Christi Himmelfahrt feiern, erinnern wir an den Abschied Jesu von seinen Jüngern 40 Tage nach seiner Auferstehung. Er kehrt zurück zu Gott. Seit dieser Zeit ist für Christen der Himmel dort, wo Jesus Christus ist. Zwischen Himmel und Erde leben sie. Und doch: „Was steht ihr da und schaut in den Himmel?“ Die Frage an die Jünger gilt auch uns. Im Hier und Jetzt, in unserer Gegenwart können wir etwas vom Himmel erfahren: in dem Glanz auf den Gesichtern unserer Mitmenschen, in Momenten der Freude und der Liebe, in denen wir eins sind mit Gott und Menschen. (VELKD, Kirchenjahr)

Gebet:

Allmächtiger Gott, wir wissen oft nicht, was „Himmelreich“ bedeutet. Wir denken an den Himmel über uns und fragen: Wo bist du? Wir bitten dich: Hilf uns verstehen, dass dein Reich alles übersteigt, was wir mit unseren Sinnen wahrnehmen oder uns vorstellen können. Du bist bei Gott, dem Vater, in den göttlichen Dimensionen und du bist bei uns alle Tage bis zum Ende der Weltzeit. Dafür danken wir dir!

Jesu Himmelfahrt- Apostelgeschichte 1,3ff  

Jesus sagt zu seinen Jüngern: Ihr werdet die Kraft des Heiligen Geistes empfangen, der auf euch kommen wird, und werdet meine Zeugen sein in Jerusalem und in ganz Judäa und Samarien und bis an das Ende der Erde. Und als er das gesagt hatte, wurde er vor ihren Augen emporgehoben, und eine Wolke nahm ihn auf, weg vor ihren Augen. Und als sie ihm nachsahen, wie er gen Himmel fuhr, siehe, da standen bei ihnen zwei Männer in weißen Gewändern. Die sagten: Ihr Männer von Galiläa, was steht ihr da und seht gen Himmel? Dieser Jesus, der von euch weg gen Himmel aufgenommen wurde, wird so wiederkommen, wie ihr ihn habt gen Himmel fahren sehen. Da kehrten sie nach Jerusalem zurück.

Gen Himmel aufgefahren ist, Halleluja, der Ehrenkönig Jesus Christ. Halleluja.
Er sitzt zu Gottes rechter Hand, Halleluja, herrscht über Himml und alle Land. Halleluja.
Nun ist erfüllt, was g'schrieben ist, Halleluja, in Psalmen von dem Herren Christ. Halleluja.
Der Heiligen Dreieinigkeit, Halleluja, sei Lob und Preis in Ewigkeit. Halleluja.
                                                                             (EG 119 – anzuhören auch auf YouTube!)

 

Dialogpredigt zu Christi Himmelfahrt 2021

Liebe Gemeinde,

heute feiern wir Christi Himmelfahrt.
Jesus ist heimgekehrt zu seinem himmlischen Vater.
Vor den Augen seiner Jünger ist er gen Himmel gefahren.
Stellen Sie sich mal vor, liebe Frau Hemschemeier:
In Jerusalem soll der Ort von Christi Himmelfahrt zu besichtigen sein. Ich habe gehört: Da kann man auch noch den Fußabdruck Jesu sehen, SEINEN Fußabdruck, bevor er in die himmlischen Höhen entschwebt ist.
Viele Pilger finden das bewegend!
Was halten Sie davon? Ihr Wildemänner seid doch bodenständig und neigt nicht zum Abheben.
Das mit dem Fußabdruck ist doch etwas komisch, oder?
 

CHRISTIANE HEMSCHEMEIER:

Find ich auch komisch. Ich glaube auch nicht daran, dass sich Jesus so richtig von der Erde abstoßen musste um möglichst hoch zu springen. Ich bin aber davon überzeugt, dass er irgendwie ins Jenseits gegangen ist, ins Himmelreich Gottes.

ASTRID SCHWERDTFEGER:

Genau! Jesus ist auferstanden. Aber nach seiner Auferstehung war er völlig anders da als vorher. Manchmal konnten seine Jünger ihn gut erkennen, manchmal waren sie sich nicht sicher. Jesus konnte an verschiedenen Stellen gleichzeitig sein. Er konnte durch verschlossene Türen gehen. Schließlich durfte der Jünger Thomas ihn doch berühren.
Jesus hatte nach seiner Auferstehung bereits einen geistlichen Leib und war auf dem Weg in die jenseitige Welt. Dabei wurde er für die Seinen immer wieder einmal kurz sichtbar - bis er dann völlig vor ihren Augen entschwand.
Ich denke nicht, dass er irgendwie oben ist – auf einer Wolke oder in einer Wolke. Ich denke, die jenseitige Welt ist ganz nahe. So wie Fernsehwellen uns nahe sind, auch wenn wir das Programm nicht einschalten können.
Jesus ist seit seiner Himmelfahrt allen Menschen ganz nahe!!
 

CHRISTIANE HEMSCHEMEIER:

Ja, Jesus ist uns nahe!
Gleichzeitig ist mir Jesus vorausgegangen damit ich, wenn ich meine irdischen Zelte einmal abbreche, eine himmlische Wohnung vorfinden werde.
Wie das aussehen wird, weiß ich nicht. Aber eins weiß ich: Gott hat durch Jesus alles für mich geregelt. Das ist wichtiger als ein Fußabdruck in Jerusalem. Ich habe schon ein Zimmer im himmlischen Jerusalem, weil mir Jesus vorausgegangen ist und für mich alles vorbereitet hat.
 

ASTRID SCHWERDTFEGER:

Das mit den himmlischen Wohnungen lese ich auf den meisten Beerdigungen vor. Jesus sagt: „Im Hause meines Vaters gibt es viele Wohnungen. Ich gehe euch voraus, um euch dort eine Stätte zu bereiten!“
Unsere Heimat ist ja im Himmel!
Und: Wir habe hier keine bleibende Stadt, sondern die zukünftige suchen wir! So ist es: Wir kriegen ein Zimmer im himmlischen Jerusalem!
Aber, liebe Frau Hemschemeier, ich glaube, ganz viele Leute in Deutschland interessiert das überhaupt nicht. Es ist ja auch so himmlisch schön hier bei uns im Harz! Jeder hat sein kleines privates Himmelreich: Haus, Garten Familie, Freunde…
Warum sollte man das alles hinter sich lassen wollen? Wer will schon umziehen in das Himmelreich Gottes? Das kann man kaum jemandem schmackhaft machen, der von ganzem Herzen an seinem eigenen kleinen Himmelreich hängt!
 

CHRISTIANE HEMSCHEMEIER:

Ich verstehe, was Sie meinen. Ich freue mich ja auch schon auf den Ruhestand, damit ich all das Schöne genießen kann: Hier im Harz oder auch an der Ostsee.
Nur ist man, wenn es soweit ist mit dem Ruhestand, schon über 60 Jahre alt.
„Mit 66 Jahren, da fängt das Leben an“ hat Udo Jürgens gesungen!
Allerdings liegt dann der 70. Geburtstag nicht in allzu großer Ferne…
„Unser Leben währt 70 Jahre, und wenn’s hoch kommt, dann sind es 80 Jahre.“ Sagt die Bibel. Manche Menschen werden ja sehr viel älter als 80. Prinz Philip war ja fast 100 Jahre alt, als er starb. Aber manche Menschen sterben auch sehr viel eher.
Mir ist völlig klar, dass mein kleines Himmelreich im Ruhestand nur eine Zwischenstation sein wird. Unsere endgültige Zukunft ist im Himmel!
 

ASTRID SCHWERDTFEGER

Das stimmt, was Sie da sagen: Mein Opa ist mit 65 gestorben. Am allerersten Tag seines Ruhestandes. Er hatte sich so auf seinen Garten gefreut und hatte große Pläne, was er noch alles anpflanzen und gestalten wollte.
Sie haben Recht, dass Sie den Ruhestand als „Zwischenstation“ sehen.
Das erinnert mich an das schöne Gebet:
„Herr, lehre uns die irdischen Güter so zu gebrauchen, dass wir darüber die himmlischen nicht verlieren!“
 

CHRISTIANE HEMSCHEMEIER:

Ja, das ist wohl die Herausforderung: Ich will das Leben hier auf Erden ernst nehmen. Deshalb engagiere ich mich ja auch ehrenamtlich, so gut ich kann. Und ich kümmere mich um meine alten Eltern.
Gleichzeitig will ich das Leben auch ein Stück weit genießen. Ich kann es gar nicht erwarten, dass die Museen wieder richtig aufmachen und dass ich wieder an die Ostsee komme!
Aber wenn Gott mich ruft, will ich bereit sein. Es soll ja wunderschön sein im Himmel.
 

ASTRID SCHWERDTFEGER:

Der Apostel Paulus schreibt in einem seiner Briefe etwas ganz Ähnliches: Er meint: Am liebsten würde ich bei meinem Herrn Jesus Christus im Himmel sein. Andrerseits habe ich hier noch eine ganze Menge zu tun. Ich weiß nicht wirklich, was von beidem ich wählen soll – hier für euch da zu sein oder zu Jesus in den Himmel gehen.

CHRISTIANE HEMSCHEMEIER:

Ehrlich gesagt bin ich doch ganz gern hier.
Aber dass es noch ein Ziel gibt über dieses Leben hinaus - das ist schon eine gute Zukunftsperspektive! 
 

ASTRID SCHWERDTFEGER:

Das ist auch eine Frage des Lebensgefühls! Die einen glauben, dass nichts mehr kommt. Dann ist das Leben wie eine rasende Fahrt auf eine Wand zu. An dieser Wand zerschellt dann alles „auf nimmer Wiedersehen“.
Die anderen glauben, dass in der Wand eine Tür ist. Oder ein Tor.
Davon bin auch ich fest überzeugt: Das Tor zum Himmelreich Gottes wird sich für uns am Ende unserer Reise durch diese Welt öffnen!
 

CHRISTIANE HEMSCHEMEIER:

Genau! Aber nicht erst dann, sondern schon jetzt ist die Himmelfahrt Jesu für uns wichtig. Damals in Israel gab es ja immer so ein Gedränge um Jesus herum.
Riesige Menschenmassen verhinderten oft, dass der Einzelne zu Jesus durchdringen konnte. Auch Jesu Zeit war begrenzt. Jetzt ist Jesus im Himmel und für alle seine Leute gleichermaßen da - zu jeder Zeit. In der Ewigkeit sind die Grenzen von Zeit und Raum überwunden!
 

ASTRID SCHWERDTFEGER

Ja, liebe Frau Hemschemeier! Und das Gute daran ist: Der Himmel ist nicht fern! Der Himmel ist auch nicht „da oben“.
In unserem Glaubensbekenntnis heißt es: Jesus sitzt zur Rechten Gottes.
Martin Luther sagt: Gott ist überall, insofern ist auch die Rechte Gottes überall. Das heißt: Wenn Jesus zur Rechten Gottes sitzt, dann ist auch Jesus überall, und zwar ganz dicht bei Dir und bei mir und bei uns allen.
Er umgibt uns wie die Radiowellen oder wie die Fernsehwellen. Irgendwann werden wir hinübergeschaltet in das andere Programm. Aber heute noch nicht!
 

CHRISTIANE HEMSCHEMEIER

Nein heute wahrscheinlich noch nicht. Heute feiern wir erst einmal Vatertag!

ASTRID SCHWERDTFEGER

Das ist eine gute Idee! Auf der einen Seite ist es gut, wenn nach dem Muttertag auch die Väter zu ihrem Recht kommen.
Auf der anderen Seite ist Jesus am Himmelfahrtstag heimgekehrt zu seinem himmlischen Vater. Also Vatertag auf zweifache Weise!
 

CHRISTIANE HEMSCHEMEIER:

So ist es! Und der Friede Gottes, welcher höher ist als alle Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus.

ASTRID SCHWERDTFEGER: Amen!

 

Fürbitten:

Zeige deine Macht, du Auferstandener,
auf der Erde.
Die Machtlosen vertrauen darauf,
dass du ihnen beistehst.
Die Schwachen warten darauf,
dass du ihnen hilfst.
Die Kranken – in unserer Nachbarschaft,
in Indien und in aller Welt warten.
Die vor Hunger und Krieg Flüchtenden warten.
Zeige deine Macht, du Auferstandener,
und erbarme dich.

Sende deine Weisheit, du Auferstandener,
auf die Erde.
Die Hoffenden vertrauen darauf,
dass du ihnen beistehst.
Die Jungen hoffen,
dass wir klug werden.
Die Wissenschaftlerinnen und Forscher hoffen.
Die Liebenden hoffen.
Die Schöpfung hofft.
Sende deine Weisheit, du Auferstandener,
und erbarme dich.

Sprich, du Auferstandener,
sprich zu uns hier auf der Erde.
Deine Gemeinde vertraut dir,
dass du ihr beistehst.
Deine weltweite Kirche wartet,
dass dein Wort diese Erde verwandelt.
Sprich, du Auferstandener,
zu den Konfirmandinnen und Konfirmanden in unserer Mitte.
Sprich zu denen, die aufbrechen und
sprich zu den Trauernden.
Sprich zu uns,
sende deine Kraft, deine Weisheit und deine Liebe,
du Auferstandener.
Öffne uns den Himmel,
damit wir auf dich auf der Erde bezeugen.
Heute und alle Tage. Amen.                                                                        (VELKD Kirchenjahr)

 

Segenswort:

Gott, segne uns mit dem Geist, der Hoffnung schenkt. Segne uns mit dem Geist, der den Glauben stärkt. Segne uns mit dem Geist, der die Liebe entzündet. AMEN

 

In diesem Sinne wünscht Ihnen einen frohen Himmelfahrtstag und einen gesegneten Weg auf das Pfingstfest zu!      

Ihre Pastorin Astrid Schwerdtfeger

 

Jubelt! Lobet Gott!

Wie leicht ist es, im Frühjahr in den Jubel der erwachenden Natur einzustimmen. Ihr Wiederaufblühen wird in der Osterzeit zum wunderbaren Sinnbild der Auferstehung.

Schöpfung und neues Leben sind Themen des Sonntags Jubilate. Auch Christen sind der Vergänglichkeit unterworfen. Und doch haben sie bereits eine Ahnung von neuem Leben. Denn Jesus ist auferstanden. Für den, der daran glaubt, hat der Tod seine Endgültigkeit verloren. Neu zu werden ist möglich, auch hier und heute. Das ruft uns der Wochenspruch zu:

Wochenspruch: Ist jemand in Christus, so ist er eine neue Kreatur; das Alte ist vergangen, siehe, Neues ist geworden. (2. Kor 5, 17)

Gebet: Jesus Christus, du bist der Anfang der neuen Schöpfung. Indem du den Tod überwunden hast, ist für uns eine neue Zeit angebrochen. Wir bitten dich: Lass uns immer wieder spüren, was es heißt, der neuen Schöpfung anzugehören. Hilf, dass wir die Freude darüber hinaustragen zu allen Menschen. Das bitten wir dich, der du mit dem Vater und dem Heiligen Geist lebst und regierst in Ewigkeit. Amen                          (M. Senftleben EKD)                                                                                                                                                                                                                                                 

In Gott leben, weben und sind wir - Aus der Apostelgeschichte im 17. Kapitel:

Paulus aber stand mitten auf dem Areopag und sprach: Ihr Männer von Athen, ich sehe, dass ihr die Götter in allen Stücken sehr verehrt. Denn ich bin umhergegangen und habe eure Heiligtümer angesehen und fand einen Altar, auf dem stand geschrieben: Dem unbekannten Gott. Nun verkündige ich euch, was ihr unwissend verehrt:

Gott, der die Welt gemacht hat und alles, was darinnen ist, er, der Herr des Himmels und der Erde, wohnt nicht in Tempeln, die mit Händen gemacht sind. Auch lässt er sich nicht von Menschenhänden dienen wie einer, der etwas nötig hätte, da er doch selber jedermann Leben und Odem und alles gibt. Und er hat aus einem Menschen das ganze Menschengeschlecht gemacht, damit sie auf dem ganzen Erdboden wohnen, und er hat festgesetzt, wie lange sie bestehen und in welchen Grenzen sie wohnen sollen, dass sie Gott suchen sollen, ob sie ihn wohl fühlen und finden könnten; und fürwahr, er ist nicht ferne von einem jeden unter uns. Denn in ihm leben, weben und sind wir; wie auch einige Dichter bei euch gesagt haben: Wir sind seines Geschlechts.

Da wir nun göttlichen Geschlechts sind, sollen wir nicht meinen, die Gottheit sei gleich den goldenen, silbernen und steinernen Bildern, durch menschliche Kunst und Gedanken gemacht. Zwar hat Gott über die Zeit der Unwissenheit hinweggesehen; nun aber gebietet er den Menschen, dass alle an allen Enden Buße tun. Denn er hat einen Tag festgesetzt, an dem er richten will den Erdkreis mit Gerechtigkeit durch einen Mann, den er dazu bestimmt hat, und hat jedermann den Glauben angeboten, indem er ihn von den Toten auferweckt hat.

Als sie von der Auferstehung der Toten hörten, begannen die einen zu spotten; die andern aber sprachen: Wir wollen dich darüber ein andermal weiterhören. So ging Paulus weg aus ihrer Mitte. Einige Männer aber schlossen sich ihm an und wurden gläubig. (Apg. 17,22-34)

Liebe Gemeinde,

Paulus predigt in Athen von dem einen Gott. Dabei geht er nebenbei auf die anderen Götter ein, deren Heiligtümer er bei einer Stadtbesichtigung gesehen hat.

Ganz ähnlich ist es offenbar auch bei uns. Immerhin vergöttern auch wir so einiges. So manches machen wir zu Göttern. Ich denke dabei zum Beispiel an den Fußballgott. Oder wir vergöttern Menschen, weil sie uns wichtig sind und uns faszinieren. Wieder andere vergöttern sich selbst oder das, was sie besitzen.

Wenn Paulus heute unter uns wäre, würde er sicher predigen: Ihr Lieben, Ihr habt so eure Götter, aber habt ihr dem einen Gott schon genug Aufmerksamkeit geschenkt? Es ist der Gott, der all die vergänglichen Ersatzgötter relativiert. Es ist der Gott, der den Himmel, die Erde und alles, was lebt geschaffen hat. Es ist der Gott, der auch dich und mich geschaffen hat.

Die Herausforderung, vor die uns der wahre Gott stellt, ist, dass man ihn nicht sehen kann. Dafür kann man ihn fühlen und finden. Aber wie soll das gehen – Gott suchen, fühlen und finden? Paulus gibt uns einen Hinweis, wie das gehen könnte. Er sagt: „Gott ist nicht ferne. In ihm leben, weben und sind wir.“

Das ist faszinierend. Wir leben inmitten der göttlichen Wirklichkeit. Das heißt: Gott umgibt uns von allen Seiten. Wir können seine Macht und seine Kraft erfahren!

Nein, Gott ist nicht weit weg. Er ist nicht auf „Wolke Sieben“! Er ist uns nahe. Paulus sagt: Wir weben und sind in Gott.

„Weben“ verstehe ich hier als Bild für unser „Verwobensein“ mit Gott. Wie in einem schönen Stoff die Fäden miteinander verwoben sind, so sind wir mit Gott verwoben. Er ist mit uns verwoben. Wir sind mit ihm verwoben. So nahe ist uns unser Gott!

Schenken wir doch unserem Gott, in dessen Sein auch wir sind, mehr Aufmerksamkeit! Jubilieren wir dankbar über unser „Verwobensein“ mit der göttlichen Dimension!

Nutzen wir die Nähe Gottes, um mit ihm zu reden! Nutzen wir Gottes Kraftfeld, um seine Kraft zu empfangen und weiterzugeben! Vertrauen wir auf das „Verwobensein“ mit Gott als nie endenden Zustand, also in alle Ewigkeit! Amen

Pastor Ralph Schwerdtfeger

Heilige Familie - Triptychon des Miraflores-Altars von Rogier van der Weyden (wikipedia)

Gebet:

In dir bleiben,
Christus.
Die Kraft von dir empfangen.
Aus deiner Wurzel leben.
Aufnehmen und weiterreichen,
was du uns gibst.
Frucht bringen.
Christus, ohne dich können wir nichts tun.

Du gibst die Kraft.
Aus dir strömt sie.
Gib sie denen,
die müde sind,
die erschöpft sind von Corona,
die sich aufreiben in der Sorge für andere,
deren Mut aufgebraucht ist,
die sich fürchten vor dem, was kommt.
Du bist die Wurzel, die trägt.
Erbarme dich.

Du bist der Friede.
Du berührst die Herzen.
Verwandle die Hartherzigen,
die Kriegsherren und
die Lügner.
Ihr Gift sei wirkungslos,
weil du ihre Opfer heilst.
Du bist das Glück für die Schwachen.
Erbarme dich.

Du bist die Liebe.
Du machst alles neu.
Du bleibst.
Bleib bei den Trauernden, Christus,
und bei den Liebenden,
denn ohne dich verlieren sie sich.

Du Liebe,
sprich zu uns,
zu deiner Gemeinde
und zu deiner weltweiten Kirche.
Bleib bei uns.
Christus, ohne dich können wir nichts tun.
Du bist der Weinstock.
Erbarme dich
heute und alle Tage, die kommen. Amen.                 

(Quelle: Wochengebet der VELKD, www.velkd.de)

Eine frohe und gesegnete Woche wünsche Ihnen  

Ihre Pastorin Astrid Schwerdtfeger

 

Kantate heißt übersetzt „Singt!“

 

Singt dem Herrn ein neues Lied, denn er tut Wunder (Psalm 98,1). Dem Jubel über die Erneuerung der Schöpfung am vergangenen Sonntag folgt der Sonntag des Lobgesangs zu Gottes Ehre. Heute steht das betende Singen und das singende Beten im Mittelpunkt: „Mit Psalmen, Lobgesängen und geistlichen Lieder singt Gott dankbar in euren Herzen!“

 

Psalm 98

 

Singet dem HERRN ein neues Lied, denn er tut Wunder: Er schafft Heil mit seiner Rechten und mit seinem heiligen Arm.
Der HERR lässt sein Heil verkündigen; vor den Völkern macht er seine Gerechtigkeit offenbar.
Er gedenkt an seine Gnade und Treue für das Haus Israel, aller Welt Enden sehen das Heil unsres Gottes.
Jauchzet dem HERRN, alle Welt, singet, rühmet und lobet!
Lobet den HERRN mit Harfen, mit Harfen und mit Saitenspiel! Mit Trompeten und Posaunen jauchzet vor dem HERRN, dem König!
Das Meer brause und was darinnen ist, der Erdkreis und die darauf wohnen.
Die Ströme sollen in die Hände klatschen, und alle Berge seien fröhlich vor dem HERRN!
Denn er kommt, das Erdreich zu richten. Er wird den Erdkreis richten mit Gerechtigkeit und die Völker, wie es recht ist.

 

Predigt zum Sonntag Kantate

 

Liebe Gemeinde!

Singt dem Herrn ein neues Lied, denn er tut Wunder! So lautet der heutige Wochenspruch.

Mit dem Singen ist es so eine Sache. Einerseits lassen heutzutage die meisten Menschen singen. Wo man hinkommt, läuft Musik. Ständig hört man Profis singen. Deshalb meinen viele Zeitgenossen: „Ich kann nicht singen!“. Das allerdings würde ich nicht gelten lassen. Jeder Mensch kann singen, aber viele trauen sich nicht, weil sie meinen, sie singen nicht gut genug oder gar falsch. Außerdem finden es manche Leute peinlich, wenn andere sie singen hören.

In den christlichen Kirchen gibt es eine große Kultur des Gesangs. Völlig unterschiedlich sind die Gesänge in den orthodoxen Kirchen, in den katholischen und lutherischen Kirchen und in den Freikirchen.

Die Reformation hat sich über das Land gesungen. Die Lieder, die Martin Luther komponiert hat, waren für die Menschen damals wie Schlager. Man hat sie in den Häusern und auf den Gassen gesungen, und damit haben sich auch die Texte, die den evangelischen Glauben ausgedrückt haben, in den Herzen der Menschen festgesetzt.

„Ein feste Burg ist unser Gott!“ oder „Vom Himmel hoch da komm ich her“ oder „Verleih uns Frieden gnädiglich!“ oder „Vater unser im Himmelreich“ und viele, viele Glaubenslieder mehr.

Ständig sind neue Glaubenslieder dazugekommen, auch ganz moderne, so wie Sie es auf dem Video mit unserem Ostergottesdienst in der Maria-Magdalenen-Kirche zu Wildemann hören können. Junge Leute aus der Pfingstgemeinde in Clausthal haben für uns ihre geistlichen Lieder gesungen – nein, nicht für uns, sondern zum Lob Gottes! Das ist entscheidend wichtig!

Singt dem Herrn ein neues Lied, denn er tut Wunder!

Seit über einem Jahr kommt neben der Scheu vieler unserer Zeitgenossen, geistliche Lieder zu singen, noch etwas anderes dem Gesang in die Quere: Die Pandemie verbietet uns, gemeinschaftlich zu singen. Es ist, als wenn Gott zu uns sagen würde: „Ihr wolltet nicht mehr für mich singen. Nun dürft ihr es auch nicht mehr!“

In meiner zweiten Gemeinde haben die Leute im Gottesdienst so gar nicht aus voller Kehle gesungen, sondern nur leise vor sich hin gebrummt. Dann kam mein Geburtstag. Die kirchlichen Mitarbeiter sangen an der Geburtstagstafel Lieder aus dem Harzclub, und zwar laut und fröhlich. Ich sagte. „Ihr könnt ja singen! Warum singt Ihr denn in der Kirche so verhalten?“ Was ich als Antwort bekam, hat mich verwundert – bis heute: „In der Kirche singt man doch nicht laut!“

Singt dem Herrn ein neues Lied, denn er tut Wunder!

Wenn wir für Gott unsere Lieder singen wollen und sollen, dann müsste das schon aus ganzem Herzen sein und nicht halbherzig gemurmelt!

Seit einem Jahr nun spielt die Orgel unsere Choräle ohne Gemeindegesang. Manche Pastoren sprechen den Text dazu. Ich mag das nicht tun. Es ist so traurig…Wie sollen wir da das Sprichwort deuten: „Wo man singt, da lass dich ruhig nieder. Böse Menschen haben keine Lieder.“?

 

Liebe Gemeinde,

Singen ist eine besondere Form des Gebetes. Seit 3000 Jahren (oder schon viel länger) singen und loben die Glaubenden Gott mit ihren Gesängen. Unsere Psalmen waren ursprünglich Lieder. König David hat die Psalmlieder auf seiner Laute begleitet!

Das Singen schafft eine wunderbare Verbindung mit Gott. Man kann auch sagen: Das Singen ist ein Kanal zu Gott. Über unseren Gesang empfängt Gott unser Lob und unsern Dank. Gleichzeitig können wir zuweilen, wenn wir Gott loben und preisen, seine göttliche Gegenwart spüren. Wenn wir von ganzem Herzen anbetend singen, werden wir ein Stück weit mit hineingenommen in die göttliche Wirklichkeit. 

Es gibt nervige Klänge und es gibt heilende Klänge.

Hildegard von Bingen wird nicht nur als Heilige verehrt, sie ist auch als eine große Frau der mittelalterlichen Naturheilkunde bekannt. Sie mahnt: „Vergesst das Halleluja nicht!“ Denn das Halleluja inbrünstig gesungen preist Gott und reinigt zugleich die Psyche. Ja, das Halleluja wirkt mit seinen Vokalen heilsam auf unseren Leib und auf unsere Seele. Diese und andere Erkenntnisse hat die moderne Klangtherapie aufgegriffen, aber dafür muss man viel Geld bezahlen. 

Singt dem Herrn ein neues Lied, denn er tut Wunder!

Was es nun mit dem neuen Lied auf sich hat, so möchte ich sagen: Es gibt einen Traditionalismus, der alles Neue ablehnt. In manchen Kirchen und in manchen Gemeinden gelten allein die alt ehrwürdigen Lieder von einst. Alles andere wird als oberflächlich abgelehnt. Genauso gibt es das Gegenteil: Manche Christen schätzen die alten Kirchenlieder gering: „Warum immer das alte Zeug?“ fragen sie. „Warum nicht mal was Modernes, etwas Cooles, etwas, was alle gut finden?!“

Aber es geht ja nicht um cool und modern. Es geht darum, dass wir geistliche Lieder singen, die uns helfen, unsere Herzen zu Gott zu erheben. Und das können sowohl alte als auch neue Lieder sein:

„Ich singe dir mit Herz und Mund
Herr, meines Herzens Lust;
ich sing und mach auf Erden kund,
was mir von dir bewusst.

Ich weiß, dass du der Brunn der Gnad
und ewge Quelle bist,
daraus uns allen früh und spat
viel Heil und Gutes fließt.“ (EG 324)

Singt dem Herrn ein neues Lied, denn er tut Wunder!

Sowohl die alten als auch die neuen Kirchenlieder haben das Potential, dass sie, wenn sie für Gott gesungen werden, für den Sänger und die Sängerin neue Erfahrungen ermöglichen. Sie können den Glauben stärken oder gar hinein in neue Gotteserfahrungen führen. „Wer singt, der betet doppelt!“ heißt es seit Augustinus.

Wenn wir Gott mit unseren Liedern loben, bringen wir ihm unsere Sehnsucht nach Liebe. Zugleich empfangen wir seine Liebe: Die Gewissheit, dass wir zu ihm gehören und in ihm aufgehoben sind. Das Singen macht uns selber neu, lebendig und froh – so wie es einem unserer neueren Kirchenlieder heißt:

„Die Gott lieben werden sein wie die Sonne, die aufgeht in ihrer Pracht! Die Gott lieben werden sein wie die Sonne, die aufgeht in ihrer Pracht!“ (nach Richter 5,31b)

Also: Singt dem Herrn ein neues Lied, denn er tut Wunder!

Die Pandemie fordert uns gegenwärtig heraus. Ein großer Teil der Menschen hat sehr viel mehr Zeit als früher. Es gibt weniger Geselligkeit, es gibt weniger Unternehmungen. Schon gar nicht gibt es gemeinschaftliches Singen. Die Chorleiter in unserer Kirche sind mehr als frustriert…

Aber es gibt durchaus die Möglichkeit, dass wir allein singen – im Wald oder zu Hause. Das Gesangbuch ist nicht nur für den Gottesdienst gedacht, sondern auch für das andächtige Singen daheim! Versuchen wir es doch einfach! Beginnen wir mit den Liedern, die wir kennen. Über YouTube können wir uns auch an die Lieder heranwagen, die wir noch nicht so gut kennen. Da kann man einfach mitsingen!

Wie gesagt, die Ausrede „Ich kann nicht singen!“ gilt nicht. Meine beste Freundin ist mit einem Mann verheiratet, der eine christliche Band leitet. Der sagt ihr immer wieder einmal: „Es ist wirklich erstaunlich mit dir. Du singst stets ein paar Töne tiefer, als du solltest“. Und er sagt das ausgesprochen liebevoll.

Ja, liebe Gemeinde, ein paar Töne tiefer oder höher als vorgesehen, das mag schräg klingen, aber NA UND? Wer singt, der betet doppelt! Auf das Gebet im Singen kommt es an, nicht auf den künstlerischen Reifegrad! Also an alle, die meinen, nicht singen zu können:  

Singt dem Herrn ein neues Lied, denn er tut Wunder!

Und der Friede Gottes, welcher höher ist als alle Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne und Euer Singen in Christus Jesus. Amen.

 

Gebet

 

Gott, unsere Herzen singen dir vor Freude ein Lied, denn du hast uns mit deiner Gnade erfüllt. Unser Mund quillt über vor Dankbarkeit für Deine Barmherzigkeit. Wir bitten dich: Segne du uns an diesem Sonntag durch deine Gegenwart. Erfülle uns mit deiner Liebe, dass wir dir mit allen Engeln lobsingen in Ewigkeit. Das bitten wir dich durch Jesus Christus, unsern Herrn. Amen

 

Eine gute und frohe erste Maiwoche mit Gottes reichem Segen wünscht Ihnen

Ihre Pastorin Astrid Schwerdtfeger

Der gute Hirte

Manchmal wünsche ich mir einen, der für mich sorgt, der mir den rechten Weg zeigt und mich unbeschadet durch Gefahren führt, einen, der meinen Durst nach Leben stillt und nach mir sucht, wenn ich verloren gehe.

Jesus, der „gute Hirte“ steht im Zentrum des zweiten Sonntags nach Ostern. Das Urbild des Schäfers spricht Kinder wie Erwachsene an. Das Neue Testament bekennt Christus als den guten Hirten, der das Verlorene nicht aufgibt und der sein Leben für das ihm Anvertraute lässt. Jeder einzelne zählt. Die biblischen Texte warnen aber auch vor schlechten Hirten, die nur an ihr eigenes Wohl denken, bei Gefahr davonlaufen und das Schwache nicht stärken. Da gilt es, sich an den guten Hirten zu halten und nach seinem Beispiel selbst auf andere zu achten. (VELKD)

Der HERR ist mein Hirte,
mir wird nichts mangeln.
Er weidet mich auf einer grünen Aue
und führet mich zum frischen Wasser.
Er erquicket meine Seele.
Er führet mich auf rechter Straße
um seines Namens willen.
Und ob ich schon wanderte im finstern Tal,
fürchte ich kein Unglück;
denn du bist bei mir,
dein Stecken und Stab trösten mich.
Du bereitest vor mir einen Tisch
im Angesicht meiner Feinde.
Du salbest mein Haupt mit Öl
und schenkest mir voll ein.
Gutes und Barmherzigkeit
werden mir folgen mein Leben lang,
und ich werde bleiben
im Hause des HERRN immerdar.

(Psalm 23)

Aus dem Evangelium nach Johannes im 10. Kapitel:

Ich bin der gute Hirte. Der gute Hirte lässt sein Leben für die Schafe. Der Mietling, der nicht Hirte ist, dem die Schafe nicht gehören, sieht den Wolf kommen und verlässt die Schafe und flieht – und der Wolf stürzt sich auf die Schafe und zerstreut sie –, denn er ist ein Mietling und kümmert sich nicht um die Schafe. Ich bin der gute Hirte; ich kenne die Meinen und die Meinen kennen mich. Meine Schafe hören auf meine Stimme, ich kenne sie und sie folgen mir. Ich gebe ihnen das ewige Leben. Sie werden niemals zugrunde gehen, und niemand wird sie aus meiner Hand reißen!“ Joh. 10,11-14.27f)

Liebe Gemeinde,

es ist immer wieder die alte Frage: Wollen Sie ein Schaf sein? Brauchen Sie einen Hirten?

Wenn man jung ist, gesund und kräftig, will man mit diesen alten Bildern nichts zu tun haben: „Ich bin kein Schaf. Ich bin ein vernunftbegabter Mensch! Ich brauche auch keinen Hirten. Ich kann selber auf mich aufpassen. Ich gehe dahin, wo es mir passt. Ich will gar nicht geführt und bevormundet werden. Lasst mich auch mit Kirche und den alten Regeln in Ruhe. Ich bin ein selbständiger Mensch und gestalte mein Leben nach meinen eigenen Vorstellungen!“

Wenn dann Krisen über unser Leben hereinbrechen, empfinden wir anders, auch wenn wir alt werden oder krank. Dann sehnen wir uns nach Hilfe und Betreuung: Es soll einer da sein, der für uns sorgt. Wir hoffen auf einen Gott, der uns trägt und hilft.

Das Bild vom Guten Hirten, der sein Schaf auf den Schultern trägt, ist ein Bild, das unzähligen Christen Hoffnung geschenkt hat. Dieses Motiv gibt es als Ikone, als Gemälde und als Skulptur.

Ja, diese Vorstellung kann in so manchen Situationen des Lebens gut tun: Gott, der gute Hirte kümmert sich um mich. Er geht mir nach, er findet mich, er birgt mich in seinen Armen und bringt mich am Ende heim zu Gott. Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln!

Das ist auch die zentrale Botschaft des lutherischen Glaubens. Im Evangelium sagt Jesus: Ich bin der gute Hirte. Ich gebe meine Leben für die Schafe! Für Martin Luther ist das der wichtigste Gedanke: Jesus ist für uns gestorben. Er hat sich für unsere Sünden hingegeben. Deswegen sind wir frei. Deshalb ist uns unsere Schuld vergeben. Deshalb kommen wir in den Himmel. Wir müssen, ja wir können nichts tun. Der gute Hirte hat alles übernommen! Das ist die entscheidende Botschaft. Martin Luther ist nicht müde geworden, dies zu betonen: Unsere guten Werke helfen nicht, Jesus hat alles für uns getan!

Das ist absolut richtig. Das ist frohe Botschaft pur. Aber diese Botschaft hat im Laufe der Glaubensgeschichte viele evangelische Christen zu ausgesprochen passiven Christen gemacht:

  • Wozu soll ich in die Kirche gehen? Ich komme ja sowieso in den Himmel!
  • Wieso soll ich in der Bibel lesen? Ich bin konfirmiert. Ich zahle Kirchensteuer. Gott wird schon alles Weitere regeln!
  • Warum soll ich mich engagieren? Der liebe Gott engagiert sich ja!
  • Und der Pastor soll sich gefälligst engagieren. Das Wort Pastor bedeutet ja schließlich Hirte!
  • Ich mache das passive Schaf. Als Schaf darf ich ja sogar auf Abwege geraten. Der liebe Gott wird es schon richten!

Der große evangelische Theologe Dietrich Bonhoeffer hat in diesem Zusammenhang von der „billigen Gnade“ gesprochen und den Begriff der Nachfolge Jesu in den Mittelpunkt seiner Verkündigung gestellt.

Dietrich Bonhoeffer schreibt: Billig ist die Gnade, die dem Menschen großzügig verteilt wird, ohne ihn zur Nachfolge Jesu aufzurufen. Er empfängt die Gnade, darf jedoch in seinem alten Leben verweilen, ohne seinem Leben eine 180 Grad-Wendung, hinein in die Nachfolge, zu verpassen. Das Austeilen der Gnade gleicht einem großen Ausverkauf. Die Kirche schleudert die Gnade dem Kunden wie einen Restposten von einem großen Verkaufstisch entgegen. Gnade ohne den Ruf in die Nachfolge, ohne die Aufforderung „Folge mir nach!“ hat nichts mit Jesus, dem Kreuz oder der Auferstehung zu tun.

Für Bonhoeffer ist das größte Missverständnis von vielen evangelischen Christen zu meinen, dass die Gnade uns vom unbedingten Gehorsam gegenüber Gott freistellt, dass auf die Gnade kein Handeln folgen müsse. Bonhoeffer erinnert an den Ruf Jesu Christi in die Nachfolge, für die ein Mensch alles aufgeben wird.

In der Nachfolge Jesu hat sich Dietrich Bonhoeffer im Widerstand gegen Hitler engagiert. Unter anderem hat er geholfen, Juden außer Landes zu bringen. Er kam ins Gefängnis und wurde kurz vor Kriegsende hingerichtet.

Jesus sagt: Will mir jemand nachfolgen, der verleugne sich selbst und nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach. Denn wer sein Leben behalten will, der wird's verlieren; und wer sein Leben verliert um meinetwillen und um des Evangeliums willen, der wird's behalten.                        

Liebe Gemeinde, was für ein Schaf sollen wir nun sein? Ein Schaf, das sich vom Guten Hirten tragen lässt? Oder ein Schaf, das dem Guten Hirten nachfolgt?

Ich denke, im Laufe unseres Lebens werden wir beides sein. Wir werden uns in beiden Rollen wiederfinden. Wir dürfen uns bei Gott geborgen wissen und wir können uns in der Nachfolge Jesu riskieren, weil wir wissen: Im Allerletzten kann uns nichts passieren!

Jesus, der gute Hirte hat uns ja versprochen:

„Meine Schafe hören auf meine Stimme; ich kenne sie und sie folgen mir. Ich gebe ihnen ewiges Leben. Sie werden niemals zugrunde gehen, und niemand wird sie aus meiner Hand reißen!“

In diesem Sinne ist auch das Gedicht von Margaret Fishback Powers zu verstehen. Es trägt den Titel „Spuren im Sand“:

Eines Nachts hatte ich einen Traum:
Ich ging am Meer entlang mit meinem Herrn.
Vor dem dunklen Nachthimmel erstrahlten,
Streiflichtern gleich, Bilder aus meinem Leben.
Und jedes Mal sah ich zwei Fußspuren im Sand,
meine eigene und die meines Herrn.

Als das letzte Bild an meinen Augen vorübergezogen
war, blickte ich zurück. Ich erschrak, als ich entdeckte,
das an vielen Stellen meines Lebensweges nur eine Spur
zu sehen war. Und das waren gerade die schwersten
Zeiten meines Lebens.
Besorgt fragte ich den Herrn:
“Herr, als ich anfing, dir nachzufolgen, da hast du
mir versprochen, auf allen Wegen bei mir zu sein.
Aber jetzt entdecke ich, das in den schwersten Zeiten
meines Lebens nur eine Spur im Sand zu sehen ist.

Warum hast du mich allein gelassen, als ich dich am
meisten brauchte?”

Da antwortete er:
“Mein liebes Kind, ich liebe dich und werde dich nie
allein lassen, erst recht nicht in Nöten und Schwierigkeiten.
Dort wo du nur eine Spur gesehen hast,
da habe ich dich getragen.”

Spuren im Sand

Und der Friede Gottes, welcher höher ist als alle Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.

Gebet: Gott, wir danken dir für Jesus Christus, deinen Sohn, der uns wie ein guter Hirte auf unseren Wegen begleitet. Wir bitten dich:

  • Bleibe bei uns, führe uns sicher durch alle Gefahren
  • Hilf uns, auf dem Weg zu bleiben, den du für uns bestimmt hast
  • Gib uns Kraft, den Menschen, die du uns anvertraut hast, ein guter Hirt oder eine gute Hirtin zu sein.

Vater unser im Himmel
Geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich
und die Kraft und die Herrlichkeit
in Ewigkeit.Amen.

Einen gesegneten Sonntag und eine frohe sonnige dritte Woche in der Osterzeit wünscht Ihnen

Ihre Pastorin Astrid Schwerdtfeger

 

Gelobt sei Gott, der Vater unseres Herrn Jesus Christus, der uns nach seiner großen Barmherzigkeit wiedergeboren hat zu einer lebendigen Hoffnung durch die Auferstehung Jesu Christi von den Toten. (Wochenspruch - 1. Petr 1, 3)

Gebet

Gott, wir haben deinen Sohn Jesus Christus nicht mit eigenen Augen gesehen und unsere Hände haben seinen Leib nicht berührt. Dennoch wagen wir, an ihn zu glauben. Wir bitten dich, rüste uns aus mit deiner Kraft und sende uns deinen Geist, der uns in alle Wahrheit leitet. Durch Jesus Christus, deinen Sohn. Amen     (EKD)

Evangelium - Johannes 21,1-14

Danach offenbarte sich Jesus abermals den Jüngern am See von Tiberias. Er offenbarte sich aber so:

Es waren beieinander Simon Petrus und Thomas, der Zwilling genannt wird, und Nathanael aus Kana in Galiläa und die Söhne des Zebedäus und zwei andere seiner Jünger. Spricht Simon Petrus zu ihnen: Ich gehe fischen. Sie sprechen zu ihm: Wir kommen mit dir. Sie gingen hinaus und stiegen in das Boot, und in dieser Nacht fingen sie nichts.

Als es aber schon Morgen war, stand Jesus am Ufer, aber die Jünger wussten nicht, dass es Jesus war. Spricht Jesus zu ihnen: Kinder, habt ihr nichts zu essen? Sie antworteten ihm: Nein. Er aber sprach zu ihnen: Werft das Netz aus zur Rechten des Bootes, so werdet ihr finden. Da warfen sie es aus und konnten’s nicht mehr ziehen wegen der Menge der Fische.

Da spricht der Jünger, den Jesus lieb hatte, zu Petrus: Es ist der Herr! Als Simon Petrus hörte: »Es ist der Herr«, da gürtete er sich das Obergewand um, denn er war nackt, und warf sich in den See. Die andern Jünger aber kamen mit dem Boot, denn sie waren nicht fern vom Land, nur etwa zweihundert Ellen, und zogen das Netz mit den Fischen.

Als sie nun an Land stiegen, sahen sie ein Kohlenfeuer am Boden und Fisch darauf und Brot. Spricht Jesus zu ihnen: Bringt von den Fischen, die ihr jetzt gefangen habt! Simon Petrus stieg herauf und zog das Netz an Land, voll großer Fische, hundertdreiundfünfzig. Und obwohl es so viele waren, zerriss doch das Netz nicht.

Spricht Jesus zu ihnen: Kommt und haltet das Mahl! Niemand aber unter den Jüngern wagte, ihn zu fragen: Wer bist du? Denn sie wussten: Es ist der Herr. Da kommt Jesus und nimmt das Brot und gibt’s ihnen, desgleichen auch den Fisch.

Das ist nun das dritte Mal, dass sich Jesus den Jüngern offenbarte, nachdem er von den Toten auferstanden war.

Angedacht

Jesus war in Jerusalem gekreuzigt worden. Seine Jünger konnten das, was geschehen war, immer noch nicht fassen. Sie machten sich auf zum See Genezareth, um sich durch Alltägliches von dem Unfassbaren abzulenken. Sie waren, bevor Jesus sie zu Jüngern berufen hatte, Berufsfischer gewesen. Nun versuchten sie es am See wieder mit dem Fischen.

In der Nacht fuhren sie hinaus und fingen nichts. Nichts fangen bedeutete Hunger.

Am frühen Morgen stand plötzlich ein Mann am Ufer, der sie aufforderte die Netze rechts vom Boot auszuwerfen. Weil nun sowieso schon alles egal war, folgten sie der Aufforderung des Mannes. Da fingen sie so viele Fische, dass sie die Netze mit den Fischen kaum herausziehen konnten.

Petrus ahnte, dass dieser Mann am Seeufer Jesus sein könnte. Da warf er sich angekleidet in den See und schwamm ans Ufer zu Jesus. Jesus hatte indessen ein Feuer angemacht, auf dem die gefangenen Fische zubereitet werden konnten.

Jesus lädt die Jünger ein mit den Worten: Kommt und haltet das Mahl! Jesus nimmt das Brot und gibt es ihnen, desgleichen auch den Fisch.

Spätestens jetzt wussten die anwesenden Jünger, dass der, der mit ihnen gegessen hatte Jesus war. Das war das dritte Mal, dass sich Jesus seinen Jüngern offenbarte.

 

Liebe Gemeinde!

Das kennen wir doch auch: Verzweiflung, Frustration, Gottesferne, Ausweglosigkeit. Und dann stürzen wir uns in den Alltag in der Hoffnung, Ablenkung und Beruhigung zu finden. Manchmal gelingt das ein wenig. Manchmal gelingt das gar nicht.

Mitten im Alltag geschieht dann das Wunder: Probleme lösen sich. Der seelische Hunger nach Sicherheit, Liebe und Frieden wird gestillt. Die Gegenwart Gottes ist wieder greifbar!

Aber das macht nicht etwa der Alltag. Christus selbst kommt in unseren Alltag. Er will uns nahe sein, er will mit uns Mahl halten.

Ja, immer wieder kommt Christus als Kraft der Liebe in unseren Alltag, immer wieder löst er unsere Alltagsprobleme.

Rechnen wir mit der Gegenwart Christi – heute und morgen und in alle Ewigkeit! Amen                                            

Pastor Ralph Schwerdtfeger

 

Durch deine Macht, Gott,
hast du Jesu Kreuz
zum Baum des Lebens verwandelt.
Durch deine Macht, Gott,
verwandelst du unsere Angst in Zuversicht,
unsere Lähmung in neuen Mut.
So wird unser Leben zu einem Gleichnis
für die Auferstehung vom Tod zum Leben.
(Hanna Strack)

        

Eine frohe und gesegnete Osterzeit wünsche Ihnen                                                               

Ihre Pastorin Astrid Schwerdtfeger

 

Bilder: Christussymbol Fisch - Ichthys, Bild des Lebens (Wikipedia)

 

Wir laden Sie ein zum Online-Gottesdienst mit Pastorin Astrid Schwerdtfeger:

Osternachts-Gottesdienst aus der Marktkirche in Clausthal mit Pastor Jonathan Stoll:

Gottesdienst zum Osterfest aus der Maria-Magdalenen-Kirche Wildemann mit Pastorin Astrid Schwerdtfeger:

Wir liegen Jesus am Herzen!

Am Gründonnertag gedenken wir der Einsetzung des Heiligen Abendmahls.

Abendmahlsfeiern stellen wir uns in der Regel am Altar in der Kirche vor oder als Tischabendmahl, so wie Leonardo da Vinci es gemalt hat:

Das Abendmahl, Leonardo da Vinci, 1494 – 1498, Santa Maria delle Grazie

Zurzeit Jesu herrschten allerdings die römischen Tischsitten vor, so dass es gut möglich ist, dass sich Jesus bei seiner Abendmahlsfeier mit seinen Jüngern nicht zu Tisch gesetzt hat, sondern dass alle Anwesenden zu Tisch gelegen haben. So beschreibt es auch der Apostel Johannes: „Es war aber einer unter seinen Jüngern, den Jesus liebhatte, der lag bei Tisch an der Brust Jesu.“ (Johannes 13,23)

Johannes lag an der Brust Jesu. Er lag ihm am Herzen. Später im Mittelalter stellte man sich diese Situation wieder aufrecht sitzend vor, so wie es diese Skulptur zeigt:

Christus-Johannes-Gruppe. Skulptur aus dem frühen 14. Jahrhundert, Bayerisches Staatsmuseum München. (Wikipedia)

Darum geht es im Tiefsten bei der Feier des Heiligen Abendmahls: Wir liegen Jesus am Herzen!

Im Buch Jeremia heißt es: „Ich habe dich je und je geliebt, darum habe ich dich zu mir gezogen aus lauter Güte!“

Dieses Wort dürfen auch wir für uns in Anspruch nehmen. Beim Heiligen Abendmahl empfangen wir diese Liebe Gottes unter Brot und Wein.

 

Liebe Gemeinde!

Auch in diesem Jahr müssen wir unsere Abendmahlsfeiern am Gründonnerstag und in der Osternacht verschieben. Noch immer können wir das Herrenmahl nicht als große Gruppe in der Kirche feiern.

Dafür möchte ich Ihnen anbieten, dass ich bei sonnigem Wetter zu Ihnen nach Hause komme, um bei Ihnen im Garten, auf der Terrasse oder auf dem Balkon ein Tischabendmahl zu feiern – zu zweit, zu dritt oder im Familienkreis. Auch der Garten hinter unserem Gemeindesaal würde für Open-Air Abendmahlsfeier in kleiner Runde zur Verfügung stehen.

Ich freue mich darauf, dass Sie mich anrufen: 0178 56 25 906. Gern verabrede ich mit Ihnen einen Termin für Ihre persönliche (nachgeholte) Gründonnerstagsfeier!

Ihre Pastorin Astrid Schwerdtfeger

(Fotos: Wikipedia)

 

Glaubensbekenntnis von Dietrich Bonhoeffer

Ich glaube,
dass Gott aus allem, auch aus dem Bösesten,
Gutes entstehen lassen kann und will. Dafür braucht er Menschen,
die sich alle Dinge zum Besten dienen lassen.

Ich glaube,
dass Gott uns in jeder Notlage
so viel Widerstandskraft geben will,
wie wir brauchen.
Aber er gibt sie nicht im Voraus,
damit wir uns nicht auf uns selbst,
sondern allein auf ihn verlassen.
In solchem Glauben müsste alle Angst
vor der Zukunft überwunden sein.

Ich glaube,
dass auch unsere Fehler und Irrtümer nicht vergeblich sind,
und dass es Gott nicht schwerer ist,
mit ihnen fertig zu werden,
als mit unseren vermeintlichen Guttaten.

Ich glaube,
dass Gott kein zeitloses Fatum ist,
sondern dass er auf aufrichtige Gebete
und verantwortliche Taten wartet und antwortet.

Dietrich Bonhoeffer

Hier finden Sie PDFs zum Runterladen (Klicken Sie auf das Motiv):

Glaubensbekenntnis von Dietrich Bonhoeffer

Ich glaube,
dass Gott aus allem, auch aus dem Bösesten,
Gutes entstehen lassen kann und will. Dafür braucht er Menschen,
die sich alle Dinge zum Besten dienen lassen.

Ich glaube,
dass Gott uns in jeder Notlage
so viel Widerstandskraft geben will,
wie wir brauchen.
Aber er gibt sie nicht im Voraus,
damit wir uns nicht auf uns selbst,
sondern allein auf ihn verlassen.
In solchem Glauben müsste alle Angst
vor der Zukunft überwunden sein.

Ich glaube,
dass auch unsere Fehler und Irrtümer nicht vergeblich sind,
und dass es Gott nicht schwerer ist,
mit ihnen fertig zu werden,
als mit unseren vermeintlichen Guttaten.

Ich glaube,
dass Gott kein zeitloses Fatum ist,
sondern dass er auf aufrichtige Gebete
und verantwortliche Taten wartet und antwortet.

Dietrich Bonhoeffer

 

Psalm 25,15: „Meine Augen sehen stets auf den Herrn.“
„Der Einsatz ist hoch“, heißt es nicht nur im Glücksspiel. Manche Entscheidungen im Leben verlangen uns viel ab: Kraft und Energie, Geld und Geduld, Tränen, manchmal auch Trennungen. Und trotzdem würden wir uns wieder genauso entscheiden. Weil es rückblickend richtig war, weil uns die Erfahrung reicher gemacht hat. Auch bei Jesus ist der Einsatz hoch, das zeigt der Sonntag Okuli. Wer Jesus nachfolgen will, muss verzichten lernen, darf nicht zurückschauen. Wer Gott ernst nimmt, muss Entscheidungen treffen für ein Leben in Liebe und Hingabe.

Aus Psalm 25:
Nach dir, HERR, verlangt mich. Mein Gott, ich hoffe auf dich;
Lass mich nicht zuschanden werden, dass meine Feinde nicht frohlocken über mich.
Denn keiner wird zuschanden, der auf dich harret; aber zuschanden werden die leichtfertigen Verächter.
HERR, zeige mir deine Wege und lehre mich deine Steige! Leite mich in deiner Wahrheit und lehre mich!
Denn du bist der Gott, der mir hilft; täglich harre ich auf dich.
Meine Augen sehen stets auf den HERRN; denn er wird meinen Fuß aus dem
Netze ziehen.

Gebet:
Allmächtiger Gott, wir blicken oft auf die Dinge, die vergehen.
Oft blicken wir voller Neid auf das, was unsere Mitmenschen haben, und spüren in uns das Verlangen danach.
Wir bitten dich: hilf uns, dass unsere Augen stets auf dich blicken, damit wir erkennen, was nötig ist nach deinem Willen. (EKD)

Aus dem Evangelium nach Lukas im 9. Kapitel:
Und als sie auf dem Wege waren, sprach einer zu Jesus: Ich will dir folgen, wohin du gehst. Und Jesus sprach zu ihm: Die Füchse haben Gruben und die Vögel unter dem Himmel haben Nester; aber der Menschensohn hat nichts, wo er sein Haupt hinlege. (Lukas 9,57f)

Predigt:

Ist Jesus eigentlich als Religionsgründer geeignet?

„Jesus war ein guter Mensch“, sagen viele. Von der Kirche wurde Jesus als „wahrer Mensch und wahrer Gott“ definiert. Wir sollen ihm nachfolgen, ihm ähnlich werden. Doch das Verhalten Jesu war zuweilen krass und die Situationen, in die er geraten ist, waren mehr als heikel:

Als junger Erwachsener lässt er seine Familie hinter sich. Er kehrt der väterlichen Firma den Rücken zu und wählt ein Leben auf der Straße.

„Die Füchse haben Gruben und die Vögel unter dem Himmel haben Nester; aber der Menschensohn hat nichts, wo er sein Haupt hinlegen kann.“ Das sagt Jesus einem Mann, der sich ihm und seinen Gefährten anschließen will.

Jesu Familie will ihn wieder zurechtbringen. Vorher hat er bereits zu seiner Mutter gesagt: „Was habe ich mit dir zu schaffen, Frau?!“ Als seine Familie ihn drängt, wieder nach Hause in das normal bürgerliche Leben zu kommen, lässt er seine Mutter und Geschwister gar nicht erst zu ihm vordringen und sagt: „Wer ist schon meine Mutter und wer sind meine Brüder? Wer den Willen Gottes tut, der ist für mich Bruder und Schwester und Mutter!“

Jesus legt sich mit dem Establishment an – sowohl mit den religiösen als auch mit den staatlichen Autoritäten. Wenn es um die Wahrheit geht, und vor allen Dingen wenn es um Gott geht, lässt er keinen Konflikt aus. Deshalb wird er gefangen genommen. Deshalb wird er ausgepeitscht. Deshalb wird er all seiner Sachen beraubt – selbst seine Kleidung wird ihm vom Leib gerissen. Deshalb wird er zum Tod verurteilt. Seine Freunde verlassen ihn, als es ernst wird. Er stirbt den qualvollen Tod am Kreuz, was damals die größtmögliche Schande bedeutet. Wer will schon diesem Jesus nach­folgen?

Eine vergleichsweise geringe Anzahl von Menschen kann sich auf diesen radikalen Jesus berufen: In den 1968iger Jahren haben so manche Jugendlichen den Bruch mit ihren Eltern vollzogen, weil sie ein Zeichen setzen wollten gegen nationalsozialistisches und menschenverachtendes Gedankengut. Psychologen halten es für notwendig, sich ein Stück weit von seiner Ursprungsfamilie zu distanzieren, damit man sich zu einer ganz eigenen Persönlichkeit entwickeln kann. Jesus erkennt selber: „Der Prophet gilt nichts im eigenen Land.“

Im Laufe der Kirchengeschichte gab es immer wieder Armutsbewegungen, die im Kontrast standen zum gut bürgerlichen Leben. Mutter Theresa ist in diesem Zusammenhang besonders bekannt geworden.

Auch heute werden weltweit Menschen hingerichtet, die sich zum christlichen Glauben bekennen – ganz besonders dann, wenn sie zugleich gegen eine Diktatur aufstehen.

Mit Recht scheuen die meisten Christen vor dieser radikalen Seite Jesu zurück. Nicht jeder Christ fühlt sich zur Kreuzesnachfolge berufen. Doch im Schatten dieser unbequemen Seite Jesu lässt sich großer Trost finden. In Jesus ist Gott selber aus freien Stücken in die Extremsituationen des Lebens hineingegangen.

Deshalb kann er uns, wenn wir in unserem Leben in Extremsituationen geraten, nahe sein:

Der Bruch mit eigenen Familienmitgliedern geschieht zuweilen ungewollt oder als notwendiges Übel. Menschen verlassen uns. Oder wir selber sehen keine andere Möglichkeit, als einen Schnitt zu vollziehen. Traurigkeit, Einsamkeit oder auch schlechtes Gewissen bedrücken uns dann. Jesus kennt diese Erfahrung. Er ist bei uns.

Wenn wir uns in Kirche und Staat engagieren oder lediglich in Vereinen, kann das rasch zu Konflikten führen. Zuweilen steht man am Ende als der Dumme da. Oder als der Querulant. Jesus kennt diese Erfahrung. Er ist bei uns.

Spätestens im Alter müssen wir auf Vieles verzichten, woran wir gehangen haben. Menschen lassen uns im Stich. Freunde verschwinden aus unserem Leben. Wer ins Altersheim geht, muss den größten Teil seiner Habe zurücklassen. Jesus kennt diese Erfahrung. Er ist bei uns. Jesus ist auch bei uns, wenn wir von Schmerzen gequält werden und wenn wir sterben müssen Die radikale Seite Jesu bedeutet auch: Jesus ist radikal bei uns, was immer uns widerfährt!

Pastorin Astrid Schwerdtfeger, Bad Grund und Wildemann

Fürbitten:

Himmlischer Vater, du rufst uns in deine Nachfolge, du machst uns frei von unseren alten, nichtigen Wegen, damit wir mit dir in ein neues Leben eintreten. Dafür danken wir dir. Doch unsere Augen bleiben nicht auf dem Weg, wir sind oft abgelenkt und fühlen uns hingezogen dorthin, wo das Leben leicht und unbeschwert zu sein scheint. Vergib uns, wenn wir deinen Ruf nicht hören, und lenke unsere Schritte zurück auf den Weg des Heils.
Wir rufen zu dir: Herr, erbarme dich!

Da ist so viel Elend in der Welt, so viel Hunger und Not, so viel Verzweiflung angesichts von Naturkatastrophen. Mach diesem Elend ein Ende, lass uns den Ruf vernehmen, der uns auffordert, diesen Menschen zu helfen, ihnen Hoffnung zu geben, weil du uns Hoffnung geschenkt hast.
Herr, erbarme dich!

Da ist so viel politisches Kalkül in den Entscheidungen der Regierenden, so viel Entgegenkommen gegenüber den Starken und so wenig Aufmerksamkeit für die Schwachen, für die du dich stark gemacht hast. Lass uns auf ihrer Seite stehen, lass uns nicht nachgeben dem Druck der Mächtigen, auch wenn ihre Argumente einsichtig erscheinen. Du zeigst uns den Weg zum Leben!
Herr, erbarme dich!

Da ist so viel Einsamkeit unter uns. Menschen, die niemand mehr haben will, für die wir Heime anstatt ein Zuhause anbieten. Hilf, lass uns die Einsamkeit erkennen, lass uns Gemeinschaft gründen, Gemeinschaft, die von deiner Gnade getragen wird.
Herr, erbarme dich!

Da ist so viel Krankheit und Gebrechlichkeit, so viel Verzweiflung und Todesangst, die uns lähmt, die uns das Leben nimmt, bevor es in dir seine Vollendung gefunden hat. Lass dein Heil kundwerden allen, die von Krankheit geplagt werden. Herr, erbarme dich! Auf dich setzen wir unsere Hoffnung, denn du bist der Erhabene, und doch so nah. Wir preisen dich mit allen Engeln und allen, die uns vorausgegangen sind in dein Reich. Dir sei Ruhm und Ehre in Ewigkeit.   Amen
(© Copyright 1998-2021 by Martin Senftleben / EKD


Als Lied nach der Predigt singen Sie Zuhause aus dem evangelischen Gesangbuch die Nr. 391: „Jesu, geh voran“


Einen schönen Sonntag und eine gesegnete Woche wünscht Ihnen
Ihre Pastorin Astrid Schwerdtfeger

LAETARE: „Freuet euch!“ - 4. Sonntag in der Passionszeit

Lätare – das ist ein kleines Osterfest in der Passionszeit. In den Texten dieses Sonntags ist schon deutlich die Hoffnung auf das neue Leben angelegt, die Ostern zur Vollendung gelangt. Dazu passt das Bild vom Weizenkorn, das in die Erde fallen und sterben muss, um neues Leben hervorzubringen.

Korn, das in die Erde, in den Tod versinkt

Korn, das in die Erde, in den Tod versinkt, Keim, der aus dem Acker in den Morgen dringt – Liebe lebt auf, die längst erstorben schien: Liebe wächst wie Weizen, und ihr Halm ist grün.

Über Gottes Liebe brach die Welt den Stab, wälzte ihren Felsen vor der Liebe Grab. Jesus ist tot. Wie sollte er noch fliehn? Liebe wächst wie Weizen, und ihr Halm ist grün.

Im Gestein verloren Gottes Samenkorn, unser Herz gefangen in Gestrüpp und Dorn – hin ging die Nacht, der dritte Tag erschien: Liebe wächst wie Weizen, und ihr Halm ist grün.

Lied: Korn, das in die Erde (EG 98)

Gebet:

Schenke uns Freude, Herr, an diesem Tag – Freude an der Auferstehung deines Sohnes, Freude über Deine Gnade und Barmherzigkeit, Freude über das Wirken Deines Geistes in dieser Welt, damit wir einander in Liebe begegnen und voller Freude Dein Kommen erwarten, wie Du es verheißen hast. AMEN         

(Dr. Martinus, EKD)

Evangelium nach Johannes:

Jesus sprach: Die Stunde ist gekommen, dass der Menschensohn verherrlicht werde. Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und erstirbt, bleibt es allein; wenn es aber erstirbt, bringt es viel Frucht. Wer sein Leben lieb hat, der verliert es; und wer sein Leben auf dieser Welt hasst, der wird's bewahren zum ewigen Leben. (Joh. 12, 23- 25)

ANGEDACHT:

„Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und erstirbt, bleibt es allein; wenn es aber erstirbt bringt es viel Frucht“

Mit diesem Bildwort spricht Jesus von sich selbst. Er ist das Weizenkorn, das sterben muss, damit viel Frucht für uns entstehen kann. Wenn er nicht sterben würde, dann könnte er keine Frucht bringen. Das klingt merkwürdig in unseren Ohren.

Bei einem Weizenkorn ist uns die Sache durchaus klar. Nur wenn es in die Erde gesät wird und „stirbt“, also seine Gestalt verliert, kann ein neuer Halm mit viel Frucht entstehen. In dem Weizenkorn Jesus war damals schon das Reich Gottes lebendig - wenn er Kranke heilte, wenn er Vergebung walten ließ, wenn er Liebe schenkte oder wenn er Menschen satt machte. Wenn das geschah, ereignete sich das Reich Gottes.

Weil Jesus gestorben und auferstanden ist, wird das Reich Gottes für jeden von uns erfahrbar. Aus 12 Jüngern sind 2,2 Milliarden Christen geworden. Sehr viele dieser Christen folgen Jesus täglich nach: Sie heilen und helfen, sie vergeben und tun Gutes. Damit breitet sich das Reich Gottes milliardenfach aus. Das meint Jesus mit „viel Frucht“.

Durch Jesu Tod und Auferstehung hat der Weizenhalm die Finsternis der Erde kraftvoll durchbrochen und ist ins Licht hinein gewachsen. Das bedeutet für einen jeden von uns persönlich: Wenn wir sterben, steht das Reich Gottes für uns vollendet bereit.

Die Botschaft Jesu an uns lautet: „Ich habe viel gute Frucht für dich. Ich warte nur darauf, sie dir mitzugeben: Meine Kraft, meine Liebe, meine Vergebung. Damit schenke ich dir Anteil am Reich Gottes. Und darum wirst du selbst Frucht bringen, viel Frucht.“

Weil Christus gestorben und auferstanden ist gehören wir zum Reich Gottes – bereits hier auf dieser Welt und dann in Gottes Ewigkeit.

Pastor Ralph Schwerdtfeger

Das Bild zeigt vom Isenheimer Altar in Colmar das zweite Wandelbild mit dem Engelskonzert und der Menschwerdung Christi, flankiert von der Verkündigung und der Auferstehung (Wikipedia)

Lied:

Das Weizenkorn muß sterben, sonst bleibt es ja allein; der eine lebt vom andern, für sich kann keiner sein. Geheimnis des Glaubens: im Tod ist das Leben.

So gab der Herr sein Leben, verschenkte sich wie Brot. Wer dieses Brot genommen, verkündet seinen Tod. Geheimnis des Glaubens: im Tod ist das Leben.

Wer dies Geheimnis feiert, soll selber sein wie Brot; so läßt er sich verzehren von aller Menschennot. Geheimnis des Glaubens: im Tod ist das Leben.

Als Brot für viele Menschen hat uns der Herr erwählt; wir leben füreinander, und nur die Liebe zählt. Geheimnis des Glaubens: im Tod ist das Leben. (GL 218)

> Zum gesungenen Wochengebet der VELKD: Gebet "Jesu, meine Freude" https://www.velkd.de  

Jesu, meine Freude.
Wir singen es.
Allein und mit schwacher Stimme -
und sind nicht allein.

Wir singen es.
Getrennt von unseren Freundinnen und Freunden -
und sind nicht allein.
Erbarme dich.

Jesu, meine Freude.
Wir singen es bangen Herzens,
in Sorge um die Kranken -
und sie sind nicht allein.

Wir singen es bangen Herzens,
in Trauer um geliebte Menschen –
und sind nicht allein.
Erbarme dich. Jesu, meine Freude.

Wir singen es unter deinen Schirmen.
Wir singen es
und bitten um Schutz und Schirm für alle
die pflegen,
die forschen,
die retten.

Wir singen es
und bitten um Frieden
in unserem Land,
bei unseren Nachbarn
in Syrien.
Erbarme dich.

Jesu, meine Freude.
Allein und in dir verbunden singen wir.
Wir singen und loben dich.

Wir singen und beten mit unseren Freundinnen und Freunden.
Wir singen und hoffen für alle, um die wir Angst haben,
Dir vertrauen wir uns an,
heute, morgen und jeden neuen Tag. Amen.                     

Einen mit Freude erfüllten Sonntag und eine gesegnete Woche wünscht Ihnen

Ihre Pastorin Astrid Schwerdtfeger                                                                                                                                                   

Grenzmomente

Es gibt Momente, in denen ist nichts, wie es scheint. Ein fröhliches Gesicht versteckt tiefe Trauer, wer Härte zeigt, kann auch barmherzig sein und hinter einer scheinbar so düsteren Zukunft verbirgt sich eine neue Chance.

Grenzmomente sind das, unsicher und vage. Erst im Nachhinein deute ich die Zeichen richtig. Der Palmsonntag führt in eine solche Grenzzeit hinein: Die Hände, die eben noch Palmzweige schwingen, sind schon zu Fäusten geballt. Das „Hosianna“ wird zum gellenden „Kreuzige“-Ruf, fröhliche Gesichter erstarren zu Fratzen. Und doch ist es Jesu Tod am Kreuz, der den Menschen Leben bringt. Sein Weg ins Dunkel war ein Weg ins Licht, heute bekennen wir das. Im Geschlagenen, im Verachteten war Gott ganz nah. (VELKD)

Als die große Menge, die aufs Fest gekommen war, hörte, dass Jesus nach Jerusalem kommen werde, nahmen sie Palmzweige und gingen hinaus ihm entgegen und schrien: Hosianna! Gelobt sei, der da kommt in dem Namen des Herrn, der König von Israel!
Johannes 12,12-13

Die Bürger von Jerusalem begrüßen Jesus als ihren Hoffnungsträger: „Hosianna dem König von Israel! Gelobt sei, der da kommt im Namen des Herrn!“

Hosianna ist ein Fleh- und Jubelruf. Dieser Ruf ergeht an Gott oder an den König und bedeutet: „Hilf doch!“

Am Palmsonntag will das Volk Jesus zu seinem König machen. Er wird mit Palmzweigen begrüßt. Die Leute ziehen ihre Obergewänder aus und legen sie auf den Boden, damit Jesus auf einem Teppich in Jerusalem, der Hauptstadt Israels einziehen kann.

Dieselben Menschen rufen fünf Tage später „Kreuzige ihn!“ und „Weg, weg mit ihm!“ So schnell kann die Stimmung der Massen umschlagen!

Gott hat weder das eine noch das andere vor: Jesus soll kein politischer König werden. Jesus soll aber auch nicht vernichtet werden.

Jesus wird die Sünde der Menschen ans Kreuz tragen. Er wird das menschliche Leid teilen. Er wird die Finsternis in Licht verwandeln. Er wird am Kreuz den Tod besiegen.

Darum passt der Hosianna- Ruf vom Palmsonntag letztlich doch: Hosianna! Hilf doch! Gelobt sei, der da kommt im Namen des Herrn.

(Pastorin Schwerdtfeger)

Fürbittengebet:

Herr Jesus Christus, wir danken dir für deine Liebe, die du uns durch deinen Tod am Kreuz bewiesen hast, und das neue Leben, das uns durch deine Auferstehung geschenkt ist. Wir wollen unseren Dank zum Ausdruck bringen, indem wir für die bitten, die selbst keine Kraft mehr haben, die keinen Ausweg mehr kennen, die den Tod vor Augen haben. Hilf uns, diese Menschen zu erkennen und auf sie zu zu gehen, dass ihnen durch uns deine Liebe erfahrbar wird. Wir rufen zu dir: Herr, erbarme dich.

Herr, unser Gott, unsere Welt ist voll von Not und Elend. Wir können uns fast nicht vorstellen, dass es auch anders sein könnte. Darum bitten wir dich: Lass uns erfahren, dass du bei uns bist als der Gott, der mit uns leidet. Lass uns daran glauben, dass du keines Menschen Leid vergisst, und lass deine Nähe sichtbar werden in der Güte, die wir Menschen einander schenken. Lass uns vor Augen haben, dass Du dieses Leid nicht willst, und zeige uns Wege, wie wir mitbauen können an deinem Reich, in dem Du alle Tränen von den Angesichtern abwischst. Wir rufen zu dir: Herr, erbarme dich.

Wir bitten dich für alle Menschen, die von Unsicherheit und von Zweifel geplagt werden; für alle, die nichts mehr vom Leben erwarten; für alle, die nur noch schwarz sehen für ihre Zukunft, weil ihnen das Nötigste zum Leben fehlt; für die, die ihren Glauben an die Menschen verloren haben, weil sie immer und immer wieder enttäuscht worden sind; für diejenigen, die es schwer mit sich selbst haben. Wir rufen zu dir: Herr, erbarme dich.

Wir bitten dich für alle, die in Gefahr sind, sich gegen ihre Mitmenschen zu verschließen und zu vereinsamen. Für die Eheleute, die einander fremd geworden sind und sich nichts mehr zu sagen haben; für die Eltern, die ihre Kinder nicht mehr verstehen; für die Kinder, die ohne die Liebe ihrer Eltern aufwachsen müssen; für die Jungen und Mädchen, denen das Leben bereits nichts mehr zu sagen hat und die Zuflucht zu Drogen nehmen; für die, deren Kindheit durch Krieg zerstört wird. Wir rufen zu dir: Herr, erbarme dich.

Herr unser Gott, du kennst einen jeden mit Namen, du lässt keinen von uns verloren gehen. Darum bitten wir dich: Lass uns erfahren, dass du ein Gott der Lebendigen bist und dass du das Glück der Menschen willst. Gib uns allen Kraft, das sichtbar werden zu lassen in der Art und Weise, wie wir miteinander umgehen. Wir rufen zu dir: Herr, erbarme dich.

Herr, unser Gott, du bist der König unseres Lebens, wir bitten dich: gib uns eine unerschütterliche Bereitschaft, einander so zu nehmen, wie wir sind. Bleibe uns nahe, damit wir Kraft bekommen, unserem Nächsten beizustehen, und in Frieden miteinander zu leben, durch Jesus Christus, unsern Herrn. Amen. (Dr. Martinus Luther / EKD)

Ostereier färben

Noch eine Woche bis Ostern. Es gibt viele Möglichkeiten sich auf das Osterfest vorzubereiten. Eierfärben für das Osterfrühstück ist eine davon. Die Ursprünge des Ostereis sind sehr unterschiedlich. Schon sehr früh kam dem Ei als Symbol für den Ursprung des Lebens und für Fruchtbarkeit eine besondere Bedeutung zu. Bereits bei den ersten Christen galt das Ei als Sinnbild der Auferstehung und wurde Verstorbenen ins Grab mitgegeben.

Von außen wie das Grab verschlossen und wie tot, hält es in sich das Leben verborgen und weist so auf die Auferstehung Jesu hin.

Ostereier im GrasDoch das Kochen und Verschenken von Eiern zu Ostern hat aber auch einen ganz praktischen Grund: Während der 40-tägigen Fastenzeit zählten Eier zu den verbotenen Lebensmitteln. Da es aber im Frühling besonders viele Eier gab, konservierte man sie durch Kochen und markierte die harten Eier, indem man sie färbte.  (VELKD)      

Gott schenke uns eine gesegnete Karwoche!

Mit allen guten Wünschen         

Ihre Pastorin Astrid Schwerdtfeger                 

 

Fotos: Wikipedia (1), pixabay (2)                         

Reminiszere: „Gedenke, Herr, an deine Barmherzigkeit“

Inmitten der Erfahrungen von Leid und Schuld erinnert das Evangelium des Sonntags an die Liebe Gottes, der nicht will, dass die Menschen verloren gehen. Wenn die Not groß ist, dann hilft es, sich selbst – und Gott – daran zu erinnern: „Gedenke, Herr, an deine Barmherzigkeit!“

Am 2. Sonntag in der Passionszeit denken wir an die verfolgten Christen in aller Welt

Ob im Irak, Syrien oder Pakistan, in Nigeria oder Nordkorea, ob in Indonesien und zunehmend auch wieder in China – die Zahl der weltweit verfolgten Christen ist in den vergangenen Jahren drastisch angestiegen. Am zweiten Sonntag in der Passionszeit, Reminiszere, erinnert die Evangelische Kirche an die Christinnen und Christen, die wegen ihres Glaubens verfolgt werden. Das christliche Hilfswerk Open Doors schätzt, dass weltweit etwa 260 Millionen Christen wegen ihres Glaubens verfolgt und diskriminiert werden.

Der Sonntag Reminiszere („Gedenke!“) erinnert daran, dass es nicht selbstverständlich ist, in Frieden und Sicherheit seinen Glauben ausüben zu können und ruft zum Gebet für Menschen auf, die sich Tag für Tag unter Bedrohung ihrer Existenz zu Jesus Christus halten. Was können wir tun? Menschen, die vor der Verfolgung geflohen sind, freundlich bei uns aufnehmen, uns für verfolgte Christen einsetzen und für sie beten, vielleicht an Reminiszere eine Kerze ins Fenster stellen – zum Zeichen, dass sie nicht vergessen sind. Nach dir, Herr, verlangt mich.

Aus Psalm 25

Mein Gott, ich hoffe auf dich;  
lass mich nicht zuschanden werden,
dass meine Feinde nicht frohlocken über mich.
 
Denn keiner wird zuschanden, der auf dich harret;
aber zuschanden werden die leichtfertigen Verächter.
 
Meine Augen sehen stets auf den Herrn;
denn er wird meinen Fuß aus dem Netze ziehen.
 
Sieh, wie meiner Feinde so viel sind
und zu Unrecht mich hassen.
 
Bewahre meine Seele und errette mich;
lass mich nicht zuschanden werden, denn ich traue auf dich!
 
Unschuld und Redlichkeit mögen mich behüten;
denn ich harre auf dich.

Aus dem Evangelium nach Johannes im 3. Kapitel:

Denn also hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab,

auf das alle die an ihn glauben nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben. (Johannes 3,16)

 

Auslegung:

Christus auf dem Weg zur KreuzigungEs wäre doch wirklich schön, wenn Gott die Welt so lieben würde, wie wir das gerne hätten. Er könnte die Kriege, alle Gewalt und alles Leid einfach abschaffen. Aber Gott liebt die Welt anders, als wir uns das vorstellen.

Bei Johannes lesen wir, dass Gott seinen eingeborenen Sohn gab.

Heute würden wir vielleicht sagen. Gott gab einen Teil von sich selbst in der Person Jesus. Gott gibt sich in Jesus in die Welt - das feiern wir Weihnachten. Gott leidet und stirbt in Jesus am Kreuz, das bedenken wir Karfreitag. Gott überwindet Leid und Tod in der Auferstehung, das feiern wir am Ostermorgen. Gott gab diesen Jesus, diesen Teil von sich in die Welt, damit wir an ihn glauben und dadurch nicht verloren werden.

Gott zeigt in Jesus wie er selbst ist und vor allem wie seine Liebe ist:

Jesus lebt gewaltlos und ruft zur Gewaltlosigkeit auf.

Jesus verurteilt nicht und ruft dazu auf, nicht zu verurteilen.

Jesus heilt.

Jesus hält die 10 Gebote ein.

Jesus vergibt und lädt dazu ein zu vergeben.

Dieser Jesus war damals faszinierend. Viele folgten ihm nach und glaubten an ihn. Dieser Jesus ist auch heute so faszinierend, dass Menschen an ihn glauben, obwohl das für sie lebensgefährlich ist.

Viele von uns glauben an Jesus. Dieser Glaube ist wie eine Versicherung für das ewige Leben. Wer glaubt hat die Anwartschaft auf das ewige Leben. Wer nicht glaubt geht verloren. Er geht dem ewigen Leben, dem Leben in Fülle verloren. Er ist nicht dabei, nicht da, wo er eigentlich hingehört.

Hier können wir uns selbst überprüfen: Glauben wir an Jesus? Fasziniert er uns? Glauben wir, dass er für unsere Schuld am Kreuz gestorben ist und uns damit den Zugang zum ewigen Leben eröffnet hat?

Wenn wir glauben, ist alles gut - in Ewigkeit! Amen    

Pastor Ralph Schwerdtfeger 

 

Gebet für den 2. Sonntag der Passionszeit (Reminiszere)

Du bist barmherzig, ewiger Gott.
Deine Barmherzigkeit rettet. 
Deine Barmherzigkeit heilt.
Deine Barmherzigkeit beschützt.

Erinnere dich an deine Barmherzigkeit
und rette deine Schöpfung.
Erinnere dich, ewiger Gott,
an die traumatisierten Kinder in den Flüchtlingslagern.
Erinnere dich an die Menschen,
die kein Zuhause haben.
Erinnere dich an die Mutigen,
die den Gewaltherrschern widerstehen.
Du bist barmherzig, ewiger Gott.
Erhöre uns und rette uns.

Erinnere dich an deine Barmherzigkeit
und heile die Kranken.
Erinnere dich, ewiger Gott,
an die Kranken auf den Intensivstationen
und auch an die Genesenden.
Erinnere dich an die,
die alles für die Kranken und Hinfälligen tun.
Erinnere dich an die Trauernden
und hülle die in deine Liebe,
die ohne Umarmung Abschied nehmen mussten.
Du bist barmherzig, ewiger Gott.
Erhöre uns und heile uns.

Erinnere dich an deine Barmherzigkeit
und beschütze, die dir vertrauen.
Erinnere dich an die Verfolgten in aller Welt.
Erinnere dich an unsere Geschwister in Indien
und an die Frauen von Vanuatu.
Erinnere dich an die Verzweifelten und die,
die um ihre Existenz fürchtenden.
Erinnere dich an unsere Gemeinde und an alle,
für die wir Verantwortung haben.
Du bist barmherzig, ewiger Gott.
Berühre uns mit deiner Barmherzigkeit
und verwandle diese Welt
durch die Liebe Jesu
heute und an jedem neuen Tag.
Amen. (VELKD)

Gott segne und behüte Sie auf Ihrem Weg durch die neue Woche!

Ihre Pastorin Astrid Schwerdtfeger

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